Placebo

Das große G-BA-PlaceboEine verpasste Chance, die für Psychotherapeuten viele Einschränkungen ihrer Therapiefreiheit und für Patienten wenig Besserung auf ihrem Weg zur Psychotherapie verspricht

Neugestaltung des psychotherapeutischen Erstkontakts: Die psychotherapeutische Sprechstunde

in Diskussion
OPK-Präsidentin Andrea Mrazek im Gespräch zum G-BA-Beschluss.

Die psychotherapeutische Sprechstunde wird Patienten ermöglichen, zeitnah einen Termin beim Psychotherapeuten zu bekommen, um eine erste diagnostische Abklärung, sowie fachliche Empfehlungen zum weiteren Vorgehen (ggf. Indikationsstellung), und bei Bedarf auch eine zeitnahe psychotherapeutische Behandlung erhalten zu können. Damit sollen Patienten schnell erfahren, ob sie an einer psychischen Erkrankung leiden, welche Hilfemöglichkeiten es gibt (z.B. auch Beratungs- oder Selbsthilfeangebote) oder ob sie eine psychotherapeutische Behandlung benötigen. Eine gegebenenfalls notwendige Behandlung wird von den Psychotherapeuten, die die Sprechstunde durchgeführt haben angeschlossen oder aber es wird versucht an Kollegen zu vermitteln. Wenn dies nicht gelingt, können sich Patienten an die Terminservicestellen der KVen wenden, die Termine innerhalb von vier Wochen einen Termin vermitteln sollen. Die Sprechstunde wird dabei für alle Patienten den einzigen Zugang zur ambulanten Psychotherapie darstellen (einige Ausnahmen werden allerdings vorgesehen sein), d.h. jeder Patient muss vor einer Behandlung zuerst eine Sprechstunde besucht haben.

Für Psychotherapeuten wird die Sprechstunde freiwillig sein. Praxen, die die Sprechstunde anbieten wollen, müssen einige strukturelle Voraussetzungen erfüllen: so müssen bei vollem Sitz 100 Minuten in der Woche für Sprechstunden vorgehalten werden, die Zeiten der telefonischen Erreichbarkeit angekündigt und die telefonische Erreichbarkeit muss 250 Minuten in der Woche gewährleistet sein.

„Die Erstkontakte zum Psychotherapeuten werden für Patienten dadurch schneller möglich sein. Die große Frage ist dann aber, wie es weitergeht. Ob die Bürokratie wieder so viele Hindernisse macht, dass dann doch wieder Wartezeiten entstehen“, hinterfragt die OPK-Präsidentin. Zur Verhältnismäßigkeit der wöchentlichen, telefonischen Erreichbarkeit von Psychotherapeuten – fünf Stunden – zu der insgesamt zu vergebenden wöchentlichen Sprechstundenzeit – zwei Stunden – ist Andrea Mrazek regelrecht aufgebracht: „Ich habe schon lange nicht mehr eine solche kontraproduktive Regelung gesehen und bin über diese Festlegung sprachlos. Dadurch fallen für Patienten schon mal grob gerechnet über 200 Therapiestunden weg.“

Neue Leistung: Akutbehandlung

Neben der psychotherapeutischen Sprechstunde gibt es eine weiter neue Leistung: die sogenannte Akutbehandlung. Sie ist für Patienten gedacht, die sofortige und unmittelbare Hilfe benötigen, damit sich ihr Zustand nicht weiter verschlechtert oder sie beispielsweise ins Krankenhaus eingewiesen werden müssten oder arbeitsunfähig werden. Hierfür können bis zu 24 Einheiten a 25 Minuten vorgesehen werden. Diese neue Leistung muss nicht bei der Krankenkasse beantragt werden, sondern muss lediglich angezeigt werden.

Zur Akutbehandlung dämpft Andrea Mrazek vorerst zu hohe Erwartungen: „Es kommt darauf an, wie die sogenannte Anzeigepflicht dazu tatsächlich gestaltet wird. Das kommt erst in den Psychotherapie-Vereinbarungen. Und wenn hier die Bürokratie wieder kompliziert ist und durch das Verfahren Wartezeiten entstehen, ist wieder nichts gewonnen. Wenn akut nicht akutes, schnelles Handeln heißt, dann ist es fatal für die Patienten.“

Neustrukturierung des Therapieablaufs: neue Regeln und keine Vereinfachung des Antrags- und Gutachterverfahrens

Bei dieser neuen anzeigepflichtigen Leistung ist es aber bei einem weiteren grundlegenden Ziel der Reform – einer Vereinfachung der antrags- und Gutachterpflicht – geblieben. Entgegen dem Auftrag des Gesetzgebers wurden keine echten Veränderungen, d.h. neue Leistungen, geschaffen. Somit eröffnet sich für Psychotherapeuten für die Rezidivprophylaxe nach Abschluss einer erfolgten Behandlung kein neuer Handlungsspielraum, der chronisch und schwer erkrankten Patienten hätten helfen können, den Behandlungserfolg langfristig zu sichern.

Ansonsten haben sich keine großen Veränderungen ergeben, bzw. es wurden einige Neuerungen eingeführt, die eine flexible und patientenorientierte Handhabung verschiedener Möglichkeiten erschweren, anstatt eine Flexibilisierung zu erwirken. So wird es auch weiterhin probatorische Sitzungen vor Beginn von Kurzzeit- und Langzeittherapie geben – und zwar mindestens zwei und höchstens vier. Die Kurzzeittherapie wird in zwei Teile von je 12 Stunden geteilt, die beide antragspflichtig sind. Die Langzeittherapie wird wie gehabt gutachterpflichtig sein.

Die Regelung zur Kurzzeittherapie kritisiert die OPK-Präsidentin offen: Das ist eher ein Rückschritt als ein Fortschritt. Das geht eindeutig zu Lasten der Patienten, die in der bis zu drei Wochen dauernden Antragszeit warten müssen. Die Langzeittherapie bleibt gutachterpflichtig. Wer traut hier den Psychotherapeuten nicht zu, einzuschätzen, wie viele Therapiestunden Patienten brauchen?“

Standarddokumentation

In Zukunft wird die Richtlinie auch eine verbindliche Standarddokumentation vorschreiben, die zu Beginn und am Ende der Behandlung von Patienten und Psychotherapeutin gemeinsam ausgefüllt werden muss. Zu diesen Standarddokumentationsbögen gehören auch psychometrische Tests und im Kinder- und Jugendlichenbereich eine vorgeschriebene Intelligenzdiagnostik. Es ist nunmehr ein umfangreicher Dokumentationsbogen mit vorgegebenen Fragebögen vorgeschrieben.

OPK-Präsidentin Andrea Mrazek distanziert sich eindeutig von dieser G-BA-Festlegung: „So sieht Bürokratieabbau nicht aus. Patienten werden gezwungen, Fragen zu beantworten und Fragebögen auszufüllen und haben nicht die Möglichkeit, die vorgegebenen diagnostischen Instrumente abzulehnen bzw. einzuwilligen. So ist die Selbstbestimmung von Patienten wohl nicht gedacht. Psychotherapeuten können ebenfalls nicht entscheiden, ob sie diese Fragebögen oder generell Fragebögen zu diesem Zeitpunkt therapeutisch und diagnostisch sinnvoll finden. Die Auswahl und Festlegung erfolgte außerdem ohne Rückgriff auf empirische Evidenz zur Güte der vorgeschriebenen Testverfahren. Die vorgeschriebene Testung oder Einschätzung des Intelligenzniveaus bei Kindern und Jugendlichen ist in jedem Fall therapeutisch fragwürdig. Aus berufsrechtlicher Sicht wären hierzu Aufklärung und Einwilligung der Eltern vorausgesetzt.

Was ist nun mit den Begriffen Patientenrechte, Patientenselbstbestimmung und therapeutische Sorgfaltspflichten? Als Kammer haben wir hier große Bedenken. Von Eltern zu verlangen, angeben zu müssen, ob es sich bei ihnen um abnorme familiäre Verhältnisse handelt, ist eine unerträgliche Zumutung.“

Das erste Fazit zum G-BA-Beschluss aus der Sicht der OPK fällt ernüchternd aus. Es ist im Ganzen eine Einschränkung der Therapiefreiheit, die zu Lasten der Patienten geht. Psychotherapeuten werden gezwungen, bestimmte Testverfahren in der Dokumentation abzuarbeiten. Die Kammer hat große Bedenken, was das Berufsrecht als auch das Patientenrechtegesetz angeht.

Zum weiteren Vorgehen stellt Andrea Mrazek klar: „Als zuständige Kammer fühlen wir uns für unsere Kollegen dazu verpflichtet, jetzt nicht weiter abzuwarten, sondern auf die Hindernisse für eine flexiblere Patientenversorgung hinzuweisen. Wir können nur hoffen, dass wir dieses Mal mehr Gehör finden als bei der Bearbeitung der Richtlinie.“

 

Weiterführende Links:

KBV-Praxisnachrichten

 


13 Antworten zu “Das große G-BA-Placebo”

  1. EINSPRUCH…das sind eher praxisferne, unzumutbare zusätzliche Belastungen, als ein Schritt nach vorn. Als Therapeut frage ich mich, ist es nicht längst überfällig eine Vereinfachung der Rahmenbedingungen umzusetzen?! Was an praxisnahen Erfordernissen (u.a. Kompetenz- und Verantwortungsanerkennung/ -erweiterung der therapeutischen Kollegenschaft, ein Sabbatjahr für Therapeuten gegen Burn-Out und als Erfahrungssammelmöglichkeit für Jungtherapeuten, angemessene Finanzierung die eine Praxisassistenz auch für Telefonsprechstunden sicherstellt… ) ist hier erreicht? Bitter, wenn so kontraproduktiv auf dem Rücken von Patienten und Therapeuten entschieden wird und das umgesetzt werden sollte.

  2. Nicht alles, was auf dem Papier steht oder von Ausschüssen als Verschlimmbesserungen beschlossen wird ist rechtssicher. Da müssten sich nach den entsprechenden juristischen Prüfungen für die Kammern Klagemöglichkeiten auftun. Wenn berufs-oder Verbandspolitisches Wirken nichts nutzt, bleibt der Klageweg, der schon oft Erfolge gebracht hat. Warum nicht auch in Bezug auf ein solches Elaborat?
    Die Struktur gleicht sich sehr den Verfahrensweisen der BGen an. Dort hat man als Therapeutin jedoch noch die Entscheidung hinsichtlich des Einsatzes der Testdiagnostik. Sinnvoll wäre es, die Vordrucke der Bgen zu übernehmen, das spart dann Zeit, da die Berichtspflicht auf wirklich Wesentliches beschränkt bleibt.

  3. Für mich stellt insbesondere die telefonische Erreichbarkeit eine massive Veränderung im Praxisalltag dar, zumal diese ja, sofern ich Sprechstunde anbieten würde, noch länger seien muss. Zudem ist vorgesehen, dass auch die Zeiten der Sprechstunde und der persönlichen Erreichbarkeit der KV gemeldet werden – dies bietet mir im Praxisalltag nun fast gar nicht mehr die Möglichkeit, die Termine auch so zu legen, wie sie mir zum Beispiel wegen Urlaub oder Klinikaufenthalt von Patienten gut passen. Ich verliere enorm an Gestaltungsmöglichkeit. Zudem finde ich es sehr ärgerlich, dass zwar die Regelungen entschieden wurden, aber noch gar nicht klar ist, wie diese vergütet werden soll. Wenn ich 2,5 Stunden in der Woche telefonisch erreichbar seien muss, dann sollte dies auch entsprechend vergütet werden. Sofern ich diese Leistungen delegieren kann und darf, auch. Die Regelung für die Rückfallprophylaxe ist für mich einfach nur lächerlich – genau so, haben wir es mit gestreckter Stundensequenz doch eh schon gegen Ende der Therapie gemacht. Und den Unterschied zwischen Akutversorgung und Kurzzeittherapie ist mir auch noch unklar – ist es denn zum Beispiel auch denkbar, dass ich einen Patienten nach beendeter KZT oder LZT noch in der Akutversorgung danach noch sehen könnte? Werden die Stunden angerechnet? Werde diese Stunden, da nicht gutachtenpflichtig, dann auch gleich entlohnt. Fragen über Fragen… mich würde noch interessiere, welche Schritte vor der Umsetzung der Richtlinien noch stehen, wann über die Vergütung entschieden wird, ob noch die Möglichkeit besteht, Einfluss zu nehmen.

  4. Ich kann an diesen neuen Regeln keinen einzigen Vorteil erkennen, sondern nur Einschränkungen der Freiheit für PatientInnen und TherapeutInnen. Wie kann die Sprechstunden zu einem schnelleren Therapiebeginn führen, wenn ein Patient zuerst zu einem anderen Therapeuten gehen muss, bevor er zu mir darf? Nach welchen Kriterien wird mir ein Patient zugewiesen? Hat ein Patient dann noch eine Wahlfreiheit? Darf er in der Sprechstunde sagen: Ich möchte zu Frau/Herrn X? Oder wird dann in der Sprechstunde entschieden (nach welchen Kritierien?) wer diesen Patienten behandeln darf? Und vor allem: Wieso sollte die Sprechstunde eine Verbesserung darstellen, wenn es genau so viele Therapeuten gibt wie bisher? Es haben ja dann einfach genau so viele Therapeuten noch weniger Zeit. Das ist eine recht einfache Rechenaufgabe.
    Und: darf ich auch bei einem halben Kassensitz eine dann halbe Sprechstundenzeit anbieten?
    Ich dachte, ich habe einen freien Beruf gewählt und ein Vorteil dieser Freiheit ist es, dass ich mit den Patienten die Sitzungeszeiten flexibel festlegen kann, entsprechend deren unterschiedlichen Erfodernissen (Kinderbetreuung, Schichtarbeit etc.) und auch entsprechend eigener Planungen. Wer hat etwas davon, wenn ich weniger flexibel bin?
    Wozu sollen Testungen gut sein? In wie fern profitieren Patienten davon, wenn ich durch mehr Bürokratie weniger Zeit für die Behandlung habe? Ich fühle mich wie in einer Schule, wo meine vorhandene Motivation abgebaut wird, indem ich mich Regeln unterwerfen muss, anstatt mich in ein Wissensgebiet zu vertiefen.
    12 Stunden tiefenpsychologische Therapie? Eine sehr konstruktive Idee, wenn es um Beziehungsuafbau und Vertrauen geht. Da haben Leute wirklich gar keine Ahnung von Bindungsstörungen. Wenn es einer Patientin nach wenigen SItzungen schon so gut geht, dass sie keine Therapie mehr braucht, dann beenden wir beide die Therapie mit Freuden. Es warten unzählige Patienten, die ich jederzeit aufnehmen kann. Ich brauch ja nur den Telefonhörer abnehmen, wenn es das nächste Mal klingelt. Aber halt – das geht wohl bald nicht mehr.

  5. Reform der PT-Richtlinie – Gewinner und Verlierer

    Als ich von diesem „makaberen Aprilscherz“, der uns am dem 1.4.2017 ereilen wird, erfuhr, waren meine Entrüstung und mein Entsetzen groß
    Welcher Schaden dadurch entsteht, war mir ziemlich schnell klar. Nun habe ich mich jedoch auch gefragt, wer ein Interesse daran haben kann – und wer daraus seinen Nutzen zieht.
    Dies führt zu durchaus interessanten Erkenntnissen…:

    Verlierer dieser Neuregelungen sind natürlich die niedergelassenen PsychotherapeutInnen,
    die größtenteils als Einzelunternehmer praktizieren und sich, aufgrund der Honorarsituation, kein Praxispersonal und keine Angestellten leistenkönnen.
    Auf diese kommt selbst dann, wenn sie keine Sprechstunde anbieten, eine unentgeldlich zu leistende Mehrarbeit von mindestens 4 Stunden pro Woche zu, d.h. 3 Std. telefonische
    Erreichbarkeit plus mindestens 1 Std. bürokratischer Mehraufwand durch verkürzte Stundenkontingente sowie zusätzliche Diagnostik- und Dokumentationsauflagen.
    Wenn sie sich jedoch dazu entschließen, Sprechstunden anzubieten, erhöht sich die, größtenteils unentgeldliche, zum geringeren Teil voraussichtlich grottenschlecht
    vergütete Mehrarbeit auf ca. 9 – 10 Stunden wöchentlich: 2 Std. Sprechstunde plus 5 Std. Telefonzeiten plus mindestens 2 Std. bürokratischer Mehraufwand!!!
    Dementsprechend weniger Zeit steht für die eigentliche psychotherapeutische Tätigkeit, insbesondere dem Erbringen genehmigter psychotherapeutischer Leistungen zur Verfügung.
    Das Anbieten von Sprechstunden wird damit für psychotherapeutische Praxen ohne Personal zur wirtschaftlichen Existenzbedrohung, Personal können sich diese dann jedoch erst recht
    nicht mehr leisten…!
    Dies wird sicher dazu führen, dass, gerade in jetzt schon unterversorgten Regionen mit schlechter psychotherapeutischer Versorgungslage, viele niedergelassene KollegInnen
    auf das Anbieten von Sprechstunden verzichten werden, zumal sie sich in diesen Regionen dennoch nicht um einen Mangel an Patienten sorgen müssen!
    Das „Nadelör Sprechstunde“ wird hierdurch, gerade in jetzt schon schlecht versorgten Regionen, besonders klein!

    Die Hauptleidenden hierdurch sind folglich die PatientInnen,für die es zukünftig noch viel schwieriger wird, eine ambulante Psychotherapie zu bekommen, in vielen Regionen Deutschlands voraussichtlich faktisch unmöglich!
    Diese werden somit auf eine Psychotherapie verzichten müssen oder sind gezwungen, eine stationäre Therapie in einer psychiatrischen Klinik oder psychosomatischen Rehaklinik zu machen, um überhaupt Hilfe zu erfahen, auch wenn eine solche gar nicht indiziert ist!

    Die dritten Leidtragenden sind wir Alle: Die volkswirtschaftlichen Schädendurch die Neuregelungen werden erheblich sein, da nicht behandelte psychische Störungen zur Chonifizierung, Verschlechterung der Prognose sowie zu somatischen Folgeerkrankungen führen. Durch erzwungene, nicht indizierte Klinikaufenthalte kommt es zudem zu Hospitalisierungseffekten. Unnötig lange AU- Zeiten, Frühverrentungen und erhöhte (stationäre) Behandlungskosten werden die Volkswirtschaft somit erheblich belasten.

    Wo es Verlierer gibt, gibt es jedoch meistens auch Gewinner, sozusangen die „Kriegsgewinnler“ im Krieg gegen die ambulante Psychotherapie:

    Und dies sind in erster Linie die großen Klinikkonzerne, wie Vivantes, Sana, Asklepios, Fresenius etc. & co. KG!!!
    Wie berichtet, werden, infolge des Nadelörs Sprechstunde und die verschlechterte ambulante Versorgungslage,viele PatientInnen gezwungen sein, sich in einer Klinik oder Kurklinik unter der Trägerschaft dieser Konzerne stationär behandeln zu lassen, obwohl dies gar nicht indiziert ist, sei es, um überhaupt Hilfe zu bekommen, sei es auch, um danach Anpruch auf eine ambulante
    Psychotherapie zu haben. Es wird also zu einem regelrechten „Run“ auch von leichter psychisch erkrankten PatientInnen auf diese Kliniken kommen, von PatientInnen also, die relativ „pflegeleicht“ sind und die mit einem niedrigeren Personalschlüssel, als bisher (mehr schlecht als recht) behandelt werden können.
    Das heißt auf Hochdeutsch: Den großen Klinikkonzernen in Deutschland werden mit Hilfe der neuen Psychotherapie- Richtlinie Gelddruckmaschinen frei Haus geliefert!!!

    Aber auch zum Schaden großer Klinik- und Institiutsambulanzen sowie Medizinischer Versorgungszentren (MVZ´s) sind die neuen Regelungen nicht. Diese verfügen bereits jetzt über Verwaltungskräfte und Praxispersonal sowie viele PiAs, PraktikantInnen und Angestellte, so dass sie die neuen Regelungen problemlos und ohne wirtschaftliche Einbußen umsetzen können. Zudem werden sie von dem zu erwarteten Praxissterben psychotherapeutischer Kleinpraxen erheblich profitieren. „Rein zufällig“ befinden sich jedoch auch diese
    Einrichtungen zum erheblichen Teil unter der Trägerschaft der genannten Klinik- Großkonzerne…!

    Das Alles macht deutlich, woher bei der Novellierung der Psychotherapie- Richtlinie tatsächlich der Wind weht (oder soll man besser sagen, der Gestank kommt?)!
    Hierzu gehört insbesondere auch, welche Rolle dabei viele Funktionäre der Bundespsychotherapeutenkammer und einiger etablierter Richtlinienverbände spielen, namentlich des DPTV und des VPP. Diese halten sich entweder auffallend zurück oder wagen es gar, die neuen Richtlinien ihren zahlenden Mitgliedern als „Fortschritt“ und „gelungenen Kompromiss“ mit dem angeblich „Schlimmeres verhindert“ worden sei, deftig gesprochen also, „Scheisse für Gold“ zu verkaufen!!!
    Das nährt den Verdacht, dass einige dieser feinen Herrschaften, die eigentlich die Interessen ihrer niedergelassenen Mitglieder vertreten sollten, bei der Etablierung der Richtlinien im G-BA und dessen Dunstkreis fleissig mitgekungelt haben!!!
    Da überrascht es dann nicht mehr allzu sehr, wenn man herausfindet, dass viele dieser Herrschaften nicht in freier Praxis tätig sind, sondern, zumeist in leitender Position, in Einrichtungen der genannten Klinikkonzerne tätig sind. Dr. Dietrich Munz, der Vorsitzende der Bundespsychotherapeutenkammer, ist bspw. Abteilungsleiter in der Sonnenberg- Klinik gGmbH….!

    Mag Jede/r darüber denken, wie er (sie) will: Für mein Dafürhalten haben jene dieser Herrschaften, die diese Richtlinien mit ausgeheckt haben und / oder nicht alles dafür getan haben, diese zu verhindern, die Interessen ihrer Mitglieder, der niedergelassenen PsychotherapeutInnen, auf das Übelste verraten!!!

    Ein schwacher Trost in diesen trüben Stunden ist, dass zumindest die Deutsche Gesellschaft für
    Verhaltenstherapie (DGVT- BV) und die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer (OPK) sich (wenn auch viel zu verhalten) kritisch zu der neuen Richtinie äußern.

    Ob uns dies unter den gegebenen berufspolitischen Vorzeichen jedoch irgend etwas nützen wird, darf leider bezweifelt werden…!

  6. Das ist halt die Kehrseite des Vertragsfacharztstatus der psychologischen Psychotherapeuten: Wir Ärzte dürfen diese Pseudofreiberuflichkeit schon seit 30 Jahren immer wieder neu genießen. In den Kammern sitzen die gut bestallten leitenden Kollegen aus den Kliniken, denen die Notlagen der Niedergelassenen völlig fremd sind und das Handeln „pro domo“ selbstverständlich, in den KVen herrscht ständige Kleingruppen-Selbstzerfleischung im Kampf um das spärliche Kassenhonorar, und alle gemeinsam gebären ein bürokratisches Monster nach dem anderen auf dem Rücken der Patienten.
    Die Insel der Seligen im KV-Imperium wird jetzt endlich dem unersättlichen Golem einverleibt
    Willkommen im Club, liebe PPs!

    • Die Vorstellung, dass wir wir PsychotherapeutInnen die „Insel der Seligen“ seien, finde ich, angesichts unserer Honorarsituation, wirklich sehr lustig…!
      Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass auch (somatisch tätige) Haus- und Fachärzte sowie ihre PatientInnen unter diversen „bürokratischen Monstern“ zu leiden haben.
      Wenn ich jedoch so viel verdienen würde, wie Radiologen, Internisten, Zahnärzte und Orthopäden, würde ich manch einen bürokratischen Blödsinn mit Fassung ertragen, bzw. würde diesen meinen lieben Vorzimmerdamen überhelfen, die sich damit herumschlagen dürften, währen ich, fast unverändert, meiner psychotherapeutischen Tätigkeit mit meinen PatientInnen nachgenen könnte.
      Wäre das schön…!!!
      Das ist natürlich reine Utopie, aber man wird doch mal träumen dürfen?!?

      • Hallo Herr Vangermain,
        so wie sie glauben, läuft das bei den großen Fachgruppen nicht. Als Hausärzte können wir uns der Inanspruchnahme kaum entziehen, nahezu ein Drittel unserer Leistungen bekommen wir nicht bezahlt. In unseren Praxen sind angestellte MFA nicht durch einen Anrufbeantworter zu ersetzen. Von einem Unternehmerlohn in Höhe eines Oberarztgehalts zuz. Lohnnebenkosten können wir auch nur träumen. Psychologische Psychotherapeuten erhalten immerhin ein Honorar, in dessen Bemessung unrealistisch hohe Raumkosten und Kosten für regelmäßig nicht vorhandene Angestellte eingeflossen sind. Psychologische Psychotherapeuten sind von lästigen Dingen wie Notdienst und Präsenzpflicht ausgenommen, haben äußerst überschaubare Kosten für Investitionen, werden nicht von Geräte- und Möbelherstellern geschröpft. Der Formularwust der Krankenkassen geht an den PP größtenteils vorüber…

        Sie wussten bisher einfach noch nicht, wie gut Sie es eigentlich haben!

        • Die Last, die du nicht trägst, kennst du nicht….sagt ein weises Wort. Ich bin mir als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin im großen Landkreis von Leipzig mit permanenter Unterversorgung, einer Warteliste von im Moment etwa 10 Monaten, zunehmend vielen hochakuten Situationen bei kleinen Patienten und Familien, denen ich im Rahmen meines Versorgungsauftrages schnelle Termine anbieten muss (und möchte), immer mehr Terminen bei Ämtern, Gerichten, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen sicher, dass so mancher ärztlicher Kollege nicht mit mir tauschen möchte. Ich bin mir ebenso sicher, dass es viele Tage gibt, an denen ich keinesfalls mit einem niedergelassenem Arzt tauschen würde.
          Sätze, wie: Sie wussten bisher einfach nicht, wie gut Sie es haben! sind – mit Verlaub geschrieben – nicht nur anzeigend, dass es noch keine Gelegenheit gab, als niedergelassener Psychotherapeut zu arbeiten, sondern auch mit wenig Respekt, vor dem formuliert, was KollegInnen leisten, in deren Schuhen noch nie gegangen wurde. Dass es im Rahmen dieser unsäglichen o.g. Veränderung der Richtlinien unkonstruktiv und auch bestürzend ist, dass wir uns gegenseitig auf diese Art und Weise zerdiskutieren und nur denen in die Hand spielt, die aus ganz eigenen und sehr praxisfernen Gründen diese Entscheidungen so treffen, ist sicher auch ohne meine Erwähnung klar.

        • Lieber Herr Hammerla,

          jetzt mal „Butter bei die Fische“, wie man im Ruhrpott sagt:
          Ich habe über die Materie geforscht, mir können Sie nichts vormachen. Es gibt nun mal Statistiken, Daten und Fakten, die eindeutig belegen, dass wir Psychotherapeuten hinsichtlich unserer Einkommen, mit meilenweitem Abstand, die „Rote Laterne“ im kassenärztlichen Versorgungssystem tragen:

          http://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=145554

          Aber ich möchte gar nicht jammern und mich auch gar nicht mit Ihnen darüber streiten, wer von uns es besser oder schlechter hat, denn eigentlich bin ich mit meinem Beruf (bislang noch) sehr zufrieden.

          Es ist jedoch eine Entwicklung zu verzeichnen, die uns Allen schadet, gegen die wir uns gemeinsam und solidarisch wehren sollten und auf die ich mit meinem Beitrag hinweisen wollte:

          Die durch reine Profitinteressen geleitete, aggressive und rücksichtslose Machtübernahme (auch des) ambulanten Gesundheitswesens durch Klinik- Großkonzerne!!! Diese versuchen halt, ihrer unliebsamen Konkurrenz, nämlich uns Ärzten und Psychotherapeuten als Einzelunternehmern und in kleinen Gemeinschaftspraxen das Wasser abzugraben und uns „platt zu machen“!!!

          Dies geschieht, indem sie freiwerdende Praxissitze aufkaufen, uns durch aggressive Werbung am Rande der Legalität Patienten abwerben, aber auch, wie aktuell geschehen, die Gesetzgebung und die Richtlinien zu ihren Gunsten und unserem Schaden, durch Lobbyarbeit, Seilschaften und Kungeleien beeinflussen!!!
          Und dies nicht nur zu unserem Schaden, sondern auch zum Schaden der Pateinten und des Gemeinwesens! Deshalb ist es auch so wichtig, dies öffentlich zu machen!

  7. Würden die ersten Probatorischen Sitzungen einfach 1/3 besser bezahlt als die restlichen, also bspw 150e, würde es keiner Sprechstunde bedürfen, mMn auch ein Effekt der Verhandlungen, dass sich in der Vergangenheit die PP nicht gut und strategisch schlecht über die Berufsverbände „verkauft“ haben. Bspw. wurde die Probatorik nicht in die Honorarverhandlungen einbezogen – Hauptsache die Therapiestunde wird anständig bezahlt, so dass es leichter werden konnte, diese dann auch noch weiter klein zu machen, das haben wir jetzt davon. Die Therapeutenschaft sollte nicht gleich bei jeder Reform hysterisch „das geht nicht “ schreien, sondern deutliche Forderungen stellen, die über die lahme „mehr Sitze“ geht. Berufsverbände sollten sich dazu aufschwingen auch von ihren Mitglieder andere Sprechzeiten als Montags 8.45-9 Uhr anzumahnen. Dann gäbe es nämlich auch weniger Angriffspunkte für Verschlimmbesserungen. Jetzt zählt – da die Strukturänderungen offenbar beschlossene Sache (ohne Psychotherapievertreter im GBA!) – um eine faire Honorarausgestaltung zu kämpfen: hohe Sprechstundensätze und Probatoriksätze zu fordern und angemessene Therapiehonorare zu bekommen, sollte zum Programm der Berufsverbänden, die ja doch (und wie peinlich leider!) ziemlich gespalten sind und der Kammern gehören. Einige Selektivverträge von KK bieten schon jetzt Honorarstrukturen, die sich „gewaschen haben“: hohe gute Anfangssätze unter Preisgabe des freien Arbeitens. Hier sage ich Vorsicht: wenn die Berufsverbände und Kammern es nicht selber schaffen, kluge, fortschrittliche und sinnvolle Verhandlungen einzugehen, werden solche Verträge immer öfter eingesetzt und die PsychotherapeutInnenschaft zum Resteessen und Spielball nicht-therapeutischer, wirtschaftlicher Kräfte verkommen. Das sollte verhindert werden.

  8. Merkels Minister bekommen mehr Geld, Hollandes Friseur verdient über 9000/Monat, die GDL setzt sich für ihre Lokführer ein, ver.di kämft…alles Schlagzeilen, öffentlich medienwirksam und insofern nicht zu übersehen.
    Was ich nirgendwo lese ist, OPK, andere Kammern, DPtV und andere Berufsverbände kämpfen…
    Warum nicht? Zumal es ja nicht nur uns, sondern auch unsere Patienten betrifft?
    Wahrscheinlich wird, mit empathischer Zurückhaltung, die uns Therapeuten ja so gut zu Gesicht steht, hinter verschlossenen Türen verhandelt. Was dabei rauskommt, erleben wir seit vielen Jahren…
    Aber egal, nun ist es so und wir alle müssen sehen, was wir daraus machen.
    Ich persönlich habe nicht mehr das Gefühl, wirklich freiberuflich tätig sein zu können. Es gleicht eher einer Scheinselbständigkeit, die ich so nicht wollte.
    Vielleicht sollte ich ja eine Selbstanzeige machen. Hat diese Erfolg, so müssten meine „Arbeitgeber“ (KVen, Kassen) wenigstens einen Teil meiner Sozialleistungen übernehmen.
    Fakt ist, ich habe seit über 5 Jahren eine Stunde Telefonsprechzeit (unentgeltlich) pro Woche. In dieser bin ich persönlich erreichbar. Patienten die unabhängig davon auf meinen AB sprechen, rufe ich zeitnah zurück und auf ein Erstgespräch muss niemand länger als 8 Wochen warten.
    Erfahrungsgemäß ist dies völlig ausreichend, in der Stunde rufen im Schnitt 0 bis 5 Patienten an. Wozu bitte, soll ich 150 bzw. 250 Minuten vor dem Telefon sitzen?
    Dies geht entweder zu Lasten der Patienten, da ich weniger Therapiezeit zur Verfügung habe. Oder aber zu meinen Lasten, da ich mehr arbeite und auf einen entsprechenden Teil meiner Freizeit verzichte.
    Aber wozu Freizeit, wenn ich diese nicht sinnbringend nutzen kann, weil die Sorgen um meine berufliche Zukunft beginnen, überhand zu nehmen?
    Dann doch lieber mehr arbeiten, damit es für die laufenden Kosten reicht.
    Es ist ein Hohn! Täglich arbeiten wir mit Menschen und machen ihnen bewusst, wie wichtig Selbstfürsorge ist, dass sie doch mehr auf sich achten sollen etc.
    Und bisher habe ich versucht, das meinen Patienten auch vorzuleben.
    In Zukunft werde ich unter Umständen sagen müssen, achten sie auf sich, ich kann es, auf Grund unsinniger berufspolitischer Regelungen leider nicht! Aber solange ich das durchhalte, werde ich natürlich für sie da sein.
    Letztlich steht da für mich noch die Frage, wer uns irgendwann therapiert, weil wir lustlos und ausgebrannt sind?
    Ach ich vergaß, ich hab bei meiner Krankenversicherung keinen Anspruch auf Therapie. Dieser wurde ausgeklammert, damit der ohnehin schon teure Beitrag, der jedes Jahr noch einmal steigt, nicht noch teurer wird….also Augen zu und durch!

  9. Ich bin von den Neuerungen auch nicht begeistert. Die möglichen Vorteile durch die Vereinfachung des Gutachterverfahrens stehen in keinem Verhältnis zu den Nachteilen. Auch wenn ich skeptisch bezüglich der Sprechstunden bin, sehe ich dadurch auch Vorteile, den Patienten einen zeitnahen Ersttermin anbieten zu können. Allerdings steht es für mich in keinem Verhältnis, für die Vereinbarung von 2-4 Sprechstundenterminen pro Woche eine telefonische Erreichbarkeit von 250 Minuten pro Woche zu gewährleisten.
    Besonders enttäuscht bin ich von den Regelungen zur Akutbehandlung und Rückfallprophylaxe. Ersteres wird meiner Meinung nach weiterhin nicht möglich sein, wenn für die Behandlung ein Konsiliarbericht eingereicht werden muss, den ich fast nie zeitnah, häufig erst nach 4 Wochen erhalte.
    Eine langfristige Rückfallprophylaxe für chronisch kranke Patienten ist immer noch nicht möglich. Hier wünsche ich mir noch Verbesserungen.

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