Kind winkt

Wenn Vernetzung Schule macht1. KJP-Symposium der OPK am 12. und 13. Juni in Potsdam

Darüber hinaus soll das Symposium Möglichkeiten zur Vernetzung bieten. Mit diesem Veranstaltungskonzept trägt die OPK der Tastsache Rechnung, dass die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung genommen hat, sowohl in der Versorgung als auch in der Erarbeitung neuer Behandlungskonzepte.

Anna Maria Fallis ist niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Potsdam. Sie wird am 12. Juni den Workshop „Arbeit mit Eltern und Bezugspersonen, Eltern im Konflikt, Familienberatung in der KJP, Elterngruppen in der KJP“ anbieten. Wir sprachen vorab mit der Referentin über das Thema sowie darüber, was die Teilnehmer in ihrem Workshop erwartet.

Zu Anna Maria Fallis

Anna Maria Fallis
  • 1955 geboren
  • verheiratet, 2 Kinder und 4 Enkelkinder
  • Diplom Sozialpädagogin, FH Koblenz, Abschluss als Dipl.-Soz.-Päd. 1981
  • Approbation als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Schwerpunkt Verhaltenstherapie, 2004 durch das Landesamt für Gesundheit und Sozialen Berlin
  • seit Oktober 2004 als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Potsdam tätig
  • Seit 2012 akkreditiert als Supervisorin und Ausbilderin für die Fortbildung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer
  • Dozentin und Supervisorin am Institut für Verhaltenstherapie Brandenburg

 

In welchem Spannungsfeld bewegen sich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in ihrer Arbeit mit Bezugspersonen?

Anna Maria Fallis: Die Erwartungen an eine Therapie sind bei Kindern und Eltern sehr verschieden. Die Eltern wollen, dass die Störung des Kindes sich (möglichst schnell) bessert, sehen erst einmal keine eigene Beteiligung an der Ursache oder am Aufrechterhalten des Problems. Das Kind macht auf seine Art deutlich, was sein Problem oder sein Leiden ist. Dabei wissen wir, dass Kinder häufig Symptomträger für innerfamiliäre Konflikte oder psychische Störungen bei den Eltern sind. Die KJP ist in erster Linie „Anwältin“ des Kindes, gleichzeitig muss sie versuchen, die Compliance für die Therapie bei den Eltern zu entwickeln und Veränderungsbereitschaft und neues Lernen aufzurufen. Hier wird deutlich, dass es Zielkonflikte geben kann, die ein großes Spannungspotential enthalten.

Weiterhin haben die Schule, auch Kindergarten und Hort, häufig große Erwartungen an den Therapeuten, dass sich beispielsweise das Leistungsverhalten oder auch die Verhaltensauffälligkeiten schnell und in eine bestimmte Richtung ändern.

Läuft parallel zur Therapie eine Jugendhilfemaßnahme und/oder Familienhilfe hat das Jugendamt mitunter große Wünsche an die Therapie. Gleichzeitig muss der Therapeut darauf achten, dass keine die Behandlung des Kindes betreffenden, gegenläufigen Maßnahmen erfolgen.

Die Vorstellungen der behandelnden Ärzte müssen ebenfalls in die therapeutische Arbeit der KJP einbezogen werden – die ärztliche Sicht ist nicht immer identisch mit der psychotherapeutischen. Häufig kommt es im Rahmen medikamentöser Mitbehandlungen oder beim Verordnen von Kuren oder ergänzenden Therapien (Ergo-, Physio-, Logopädischen Therapien) zu Dissens.

Ein besonders heikles Thema ist die Schweigepflicht in der KJP. Die Eltern wollen informiert werden, wie die Therapie läuft, welche Entwicklungen ihr Kind macht. Gleichzeitig hat das Kind ein Recht auf Verschwiegenheit des Therapeuten, denn nur so gelingt ein therapeutisches Bündnis, dessen wichtigste Voraussetzung das Vertrauen ist. Bei schwieriger oder gestörter Eltern-Kind-Kommunikation ist dies ein schwieriger Balanceakt, besonders in der Behandlung Jugendlicher.  Die Schweigepflicht gilt natürlich gleichermaßen für die Elterngespräche. Wie sieht Therapien-Motivation Ihrer Patienten hier aus?

Jeder kommt ambivalent in die Therapie. Das ist draußen so, und hier drinnen im Maßegelvollzug ist das nicht anders. Man kann Menschen helfen, Motivation aufzubauen. Und das versuchen wir hier.

Der Gesetzgeber schreibt klare Regeln zur Mitbehandlung des Bezugssystems des Kindes vor, reichen diese aus? Welcher Handlungsspielraum wäre wünschenswert?

Anna Maria Fallis: Der Gesetzgeber schreibt die Regeln vor: im Verhältnis 1:4 sollten Elterngespräche stattfinden, bei Kurzzeittherapien in der Verhaltenstherapie bedeutet dies, dass 25 Therapiestunden plus 6 Elternstunden finanziert werden.

Nach meiner Einschätzung ist diese Regelung zu unflexibel. Eine KJP kann aufgrund ihrer profunden Kenntnisse gerade in Bezug auf die Arbeit mit dem Bezugssystem des Kindes am besten einschätzen, wieviel Stunden der gesamten Therapie fürs Kind und wieviel für die Eltern gebraucht werden.

Wenn ich zum Beispiel zu Beginn einer Therapie viele Elterngespräche führen muss, gleichzeitig noch Schule, Hort und Jugendamt mit im System sind, habe ich die 6 vorgesehenen Stunden im Rahmen einer Kurzzeittherapie schon nach zwei Monaten aufgebraucht. Bei Kindern psychisch kranker Eltern ist dies häufig der Fall, aber auch bei bestimmten Krankheitsbildern, die eine multimodale Therapie erfordern, wie ADHS. Bei Langzeittherapien oder Verlängerungen ist die Problematik die Gleiche.

Folgerichtig müsste die Therapeutin bei bestimmten Krankheitsbildern mehr Stunden zur Mitbehandlung des Bezugssystems zur Verfügung haben, bei gleichbleibender Stundenzahl für die Behandlung des Kindes. Auch die Aufteilung der Stunden in Elternstunden und Therapiestunden mit dem Patienten sollten meines Erachtens  in die Hand des behandelnden Therapeuten gelegt werden.

Welche Inhalte erwarten die Teilnehmer in ihrem Workshop am 12. Juni 2015?

In diesem Workshop werden wir uns einerseits grundsätzlichen Fragen zur Arbeit mit dem sozialen Bezugssystem des Kindes im Rahmen der KJP widmen: wie verwandele ich die Eltern von „Besucher“ in „Kunden“? wie erreiche ich Compliance, was tun bei Konflikten in der Beratung, soll der KJP Casemanager sein? Wie ist der Umgang mit hochstrittigen Eltern?

Andererseits werden wir uns mit zusätzlichen Möglichkeiten in der Elternberatung beschäftigen. Über die gesetzlichen Stunden hinaus besteht oft der Bedarf nach intensiver Beratung zu erzieherischen Fragen, Elterntrainings, Möglichkeiten einer veränderten Kommunikation innerhalb des Familiensystems und Verbesserung der Interaktion der Einzelnen untereinander.

Der Workshop von Anna Maria Fallis findet am 12. Juni 2015 von 15.00 bis 16.30 Uhr statt.

Alle Informationen und Ihre Anmeldemöglichkeit zum Symposium finden Sie unter www.opk-info.de.

Download