Sprechstunde

Eckpunkte zur Umsetzung des GKV-VSG ReformvorhabensBitte kommentieren Sie und gehen Sie mit uns in die Diskussion um die praktische Ausgestaltung der Gesetzesvorgaben!

Stellen Sie sich bitte vor, ab kommender Woche Montag würden Sie für Patienten psychotherapeutische Sprechstunden anbieten müssen!

Was brauchen Sie, um diese auch in der Praxis erfolgreich umsetzen zu können? Welche Anforderungen stellt dies an Ihr Praxismanagement? In welchem Zeitrahmen können Sie das tun? Wie werden Sie die Empfehlungen zum weiteren Vorgehen oder Ihre Diagnostik der Sprechstunden-Patienten dokumentieren? Wie gut vernetzt sind Sie im gesamten Gesundheitsbereich Ihrer Region? Und was werden Ihre Patienten dazu sagen? Fragen über Fragen.

Im Folgenden finden Sie Eckpunkte zur Diskussion der Umsetzung der Vorgaben. Wir wollen uns mit diesen Eckpunkten aktiv in die Debatte um eine inhaltliche Ausgestaltung der einzelnen Vorgaben einmischen. Es besteht eine große Chance, die Versorgung unserer Patienten zu verbessern und unseren Praxis-Alltag konkret zu gestalten. Deshalb laden wir Sie ein und bitten Sie, mit zu diskutieren. Hinterlassen Sie uns Ihre Kommentare, Gedanken und Anregungen zu den hier vorgestellten Eckpunkten!

Einzelne Bestandteile der Reform

Es steht fest, dass neue Leistungen nur dann der Verbesserung der Versorgung unserer Patienten zugute kommen werden, wenn es gelingt mehr Ressourcen in den Praxen zu schaffen. Im Folgenden wenden wir uns nun den einzelnen vorgegebenen Bestandteilen zu, um sie daraufhin zu prüfen, welche Veränderungen die beabsichtigte Wirkung haben können. Diese müssen flexibel einsetzbar sei und (mindestens) genauso vergütet werden wie Leistungen der Richtlinientherapie.

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34 Antworten zu “Eckpunkte zur Umsetzung des GKV-VSG Reformvorhabens”

  1. Ich halte es für sinnvoll, die geplante Sprechstunde mit Diagnostik und Orientierung in die Hände der Kollegen zu geben, die im Kostenerstattungsverfahren arbeiten. Ich habe verschiedene Patienten meiner Praxis gefragt, was sie für Erwartungen nach einer Sprechstunde hätten. Einstimmig kam: Therapie. Ich laste meinen halben Sitz sehr gut aus und könnte im Moment nicht mal einen Notfall annehmen. Ich würde, wie meine Kollegen dann auch, dem Patienten eine Behandlungsnotwendigkeit bestätigen, könnte aber keine Therapie anbieten. Also wieder Warteliste. Offen bin ich auf alle Fälle für die Akuttherapie mit minimalem bürokratischen Aufwand und exakter Stundenbegrenzung, z.B. 2 Probatorikstunden f. Diagnostik und Klärung und dann 10-15Std zu dem Krisenthema ohne Schnick und Schnack, also dann lösungsorientiert. Krisenthemen könnten auch vorab per Leistungskatalog definiert werden (plötzlicher Tod einer wichtigen Person, Unfall, etc.). Für mich ist die Sprechstunde nur mir einem Praxisassistenten realisierbar, da meine räumlichen Gegebenheiten eine Daueröffnung nicht möglich machen. Zudem würde ich die Praxisassistenz für die schriftliche Diagnostik (Erklärung zum Fragebogen, Auswertung) nutzen wollen, um die Eindrücke zur Diagnose zu validieren. Aufklärung zu Schweigepflicht und das, was man in einer ersten Stunde sonst informell leisten muss, würden dann auch sicher an die Assistenz delegiert. Ist das juristisch zulässig? Nicht unerheblich finde ich den Aspekt der Vergütung, der sich mit Probatorik vergleichen lassen sollte. Für mich ist auch noch nicht ganz klar, wie ich in unter 50 min/25min DD sauber klären soll, was manchmal in der 3-4.Std. Probatorik erst ans Tageslicht tritt. Gespannt warte ich auf das, was kommen wird.

  2. Bzgl. Gruppen: Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn ambulante Psychotherapeuten störungsspezifische psychoedukative Gruppen anbieten könnten, so wie es sie in Rehakliniken gibt. Dafür wäre meines Erachtens keine komplette Ausbildung zum Gruppentherapeuten notwendig. Die Inhalte könnten Patienten über ihr Störungsbild aufklären und ihre Selbsthilfemöglicheiten erweitern. Das wäre zwar noch keine Therapie, als Überbrückung und für leichtere Fälle aber trotzdem womöglich hilfreich.

    Bei den Sprechstunden könnte ich mir vorstellen, kurzfristig ausfallende Termine dafür freizugeben (z.B. per Online-Terminbuchung), oder eine Assistenz einzustellen, die nur Sprechstunden anbietet. Dafür wäre es aber nötig, dass die Deckelung bzgl. der Vergrößerung des Praxisvolumens bei Anstellung wegfällt.

  3. ich würde gern kurz zum Thema der Sprechstunde Stellung nehmen. Ehrlich gesagt, sehe ich große Schwierigkeiten und eher eine Verschlechterung der Versorgung dadurch kommen und zwar aus folgenden Gründen:
    Mir steht z.B. familiär bedingt nur ein bestimmtes Zeitkontingent für die Versorgung der Patienten zur
    Verfügung. Das bedeutet zusätzliche Sprechstundenzeit führt dazu, dass ich weniger Patienten eine psychotherapeutische Versorgung anbieten könnte.

    Aufgrund der üblichen Bestellpraxis sind die räumlichen Bedingungen für eine Wartezimmersituation gar nicht gegeben, zumal besonderer Schallschutz wichtig ist. Ich kenne auch Kollegen, die z.B. gar kein Wartezimmer vorweisen können.

    Als eine der wenigen Therapeutinnen im sehr ländlichen Raum mit gemieteter Praxis sind Ausweichmöglichkeiten am Standort nicht vorhanden und ich würde den ohnehin unterversorgten Standort notfalls verlassen müssen. Auch wie so oft, bewältige ich meine Arbeit allein und ohne Personal, was im Falle von zusätzlicher Fragebogendiagnostik, Schreibaufwand etc. dazu führt, dass ich weniger therapeutisch arbeiten kann. Real gibt es hier einfach Grenzen in der Umsetzbarkeit. Hier wünsche ich mir auf jeden Fall Handlungsspielräume für die Umsetzung der Sprechstundenregelung, eine sinnvolle Vergütung und die
    Bereitstellung sinnvoller und kurzer diagnostischer Fragebögen (nicht die wenig aussagekräftigen und psychometrisch überholten Klassiker wie SCL-90-R etc.). Einen Zwang zur Sprechstunde sollte es nicht geben.

    In der Realität kommen die meisten Patienten mit einem klaren Wunsch nach Psychotherapie und vorbekannter Krankengeschichte vom Hausarzt oder stationären Aufenthalt in die Praxis. Die Hoffnung auf eine fundierte Diagnostik oder vertrauensvolle Gesprächssituation, geschweige denn schnelle Aufnahme einer Psychotherapie würde in der Sprechstunde kaum zu erfüllen sein.

    Eine Erhebung des realen Bedarfs an Psychotherapeuten oder zusätzliche Anreize für Kollegen in unterversorgten Gebieten würde eine Verbesserung der Versorgung deutlich mehr fördern. Ich hoffe sehr auf eine gute Unterstützung bei der Durchsetzung der Interessen der Psychotherapeuten.

  4. Meine inhaltlich/juristische Frage zu den psychotherapeutischen Sprechstunden (ab 2017) im Kinder- und Jugendbereich (bis 15 Jahre) ist, wie im Vorfeld von den Terminservicestellen sichergestellt wird, dass das Einverständnis beider sorgeberechtigten Elternteile für die Vorstellung vorliegt?

    Ich bitte um Klärung und Rückmeldung! Vielen Dank.

  5. Ich arbeite als KJP in einer Kleinstadt. Der Bedarf ist, wie wir alle wissen, größer als es unsere Arbeitszeit ermöglicht abzudecken. Ich habe viele Patienten sogar im Morgen- u. Vormittagsbereich, was angesichts von Schule u. Ausbildung oft ein schwieriges Unterfangen ist, zu organisieren bis in den frühen Abend. Angesichts der schwierigen Versorgungslage halte ich es nicht für tragbar, Zeiten für eine möglicher Weise ausgelastete Sprechzeit freizuhalten. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz würde sich in der Folge weiter verlängern. Außerdem: Wie bekommt man frei gehaltene Zeit vergütet?
    Deshalb kommen für mich sowieso nur im Vorfeld bestellte Termine in Frage.
    Da ich, ebenso wie die meisten KollegenInnen, die Praxis alleine unterhalte, habe ich keine Praxishilfe für die Organisation etc. u. nutze alle Räume für die Sitzungen u. habe bisher kein Wartezimmer gebraucht u. kann auch keines stellen. Zumal dies im Sinner der Aufsichtspflicht für Minderjährige, die z.B. alleine von der Schule kommen m.E. nicht möglich ist.
    Deshalb würde es für mich so weiter laufen wie bisher: wer sich als Akutpatient meldet, bekommt schnellstmöglich einen Termin zu einer mir möglichen Uhrzeit angeboten. Meistens innerhalb einer Woche (wenn ein fester Patient nicht kommen kann oder es fehlt die Mittagspause).

  6. Wozu habe ich die Probatorik ? Ich vereinbare tel. so
    bald wie möglich Vorgespräche, das rechne ich als Probatorik ab, dauert ja auch
    die entsprechende Zeit, es kommen diagnostische Instrumente zum Einsatz. Nicht
    jedes Vorgespräch / Probatorik kommt zur PT. Was soll sonst sein ? 10 Min.
    McTherapeut ? Die Gruppentherapieausbildung ist derart komplex und bürokratisch
    umständlich, dass ich sie wieder abgebrochen habe, das lässt sich mit der
    laufenden Praxis nicht vereinbaren, die Ausbildungsinstitute wollen richtig
    daran verdienen und gestalten es sehr frustrierend langwierig. Ich arbeite bis
    zur Kante. Mehr ist nicht drin.
    Da wird wieder etwas aufgebläht was „ganz einfach“ zu lösen wäre : Mehr Behandler und Steuerung der Niederlassungen (nach Studium mind. 5 Jahre in einer Region die „dünn“ besiedelt ist). Ich hörte, dieses Modell hat es in anderen Zusammenhängen schon einmal gegeben. Aber damit wäre es aber erforderlich, dass mehr Geld investiert würde und die derzeitig Niedergelassenen nicht verunglimpft würden (sozusagen „hintenherum“ sie würden zuwenig arbeiten … und deshalb …). Es wird noch mehr Druck auf
    die Behandler ausgeübt, was sich nicht auszahlen kann, gerade bei Psychotherapeuten die nicht am Fließband im 5 Min. Takt arbeiten können. Ich möchte kein brechend volles Wartezimmer haben. (Wie wäre es mit klaren Vorgaben für Behandlungsräume und dementsprechende Wartezimmergrößen / Licht, Belüftung ….) na, es gibt noch viel dazu zu sagen. Punkt erstmal.

    • Gern möchte ich zur Gruppentherapie etwas anmerken. jeder PIPler durfte sich in seiner Klinik in Gruppen beweisen. Damals sicher mit deutlich weniger Kompetenzen als heute in eigener Praxis oder angestellt tätig. Ich glaube, es ging den meisten so: man liebt es und macht es oder man hasst es und lässt es. Ich bin Vertragspartner der Deutschen Rentenversicherung und biete Nachsorge in Form Curriculum Hannover an. Ohne notwendige Qualifikation in Gruppenpsychotherapie. Die Approbation und der Beweis, in einer Rehaeinrichtung gearbeitet zu haben, reichten aus. Es macht mir super viel Spaß und den Teilnehmern, in Anbetracht der niedrigen Abbruchsquote offenbar auch. Wäre eine Zuerkennung der Möglichkeit bei nachgewiesener Berufserfahrung „Gruppentherapie“ nicht ein einfacher, unbürokratischer Weg, um auch Gruppenpsychotherapie anbieten zu können? Auf eine teure Ausbildung habe ich keine Lust und auch nicht die Zeit dafür.

  7. Ich denke auch, dass die Sprechstunden zu Lasten der therapeutischen Versorgung gehen. Dass ich in der Probatorik feststelle, dass es keine Indikation für eine Psychotherapie gibt, bleibt die Ausnahme. Trotz notwendiger Therapie kann ich dann jedoch keinen Platz anbieten. Dies würde mich emotional stark belasten, Patienten auf eine Warteliste zu setzen, nachdem ich eine persönliche Beziehung zu ihnen hergestellt und einen Leidensdruck erlebt habe. Ich sehe zudem ähnlich den Kollegen, das Problem fehlenden Praxispersonals und räumlicher Gegebenheiten. Allerdings würden Veränderungen zu finanziellen Nachteilen führen.
    Insbesondere unter dem Aspekt der neuen Zuschläge für antragspflichtige Leistungen widerstrebt es mir zutiefst, noch mehr nicht genehmigungspflichtige Leistungen (Sprechstunden) anzubieten!

    Bezüglich der Gruppentherapien möchte ich folgendes anmerken. Ich habe die Ausbildung absolviert, jedoch ist die Umsetzung im ambulanten Setting aus organisatorischen und bürokratischen Gründen schwierig. Insbesondere das Antragsverfahren schreckt mich ab, da ich als Verhaltenstherapeutin die Ziffern 35222 bzw. 25223 abrechnen würde, diese jedoch nur 50 statt 100 Minuten umfassen. Das bedeutet, dass ich bei einer Kurzzeittherapie maximal 12 Sitzungen a´ 100 Minuten machen kann und dann bereits einen neuen Antrag stellen muss. Hier wünsche ich mir eine Anpassung auf 100 Minuten, das würde Gruppentherapie für mich etwas attraktiver machen.

    • Grundsätzlicj teile ich das, jedoch stimmt zum Schluss etwas nicht: Es gilt die Umrechnungseinheit 1:2, d.h. 25 Einzel (50min) sind 50 h Gruppe, Sie können also in der KZT 25 h GT machen von jeweils 100 Min.

  8. Was mir in der Ausgestaltung meiner Praxis keine Erleichterung bringt, ist das Ergebnis der letzten Honorarverhandlungen: Die Gesprächsziffer ist mit einem floatenden Wert belegt, derzeit 60% (!) in MV. Die Gruppentherapie (ich habe die Genehmigung) rechnet sich bei mir nicht, da 1. der Verwaltungs- und Organisationsaufwand zu hoch ist (Termine abtelefonieren, Antragsstellung, trotz Befreiung) und 2. die Honorrierung sich mit dem zusätzlichen zu mietenden Gruppentherapieraum nicht rechnet. 3. ist das Rausrechnen, umrechnen und Übersicht behalten von Gruppen in EInzelstunden und zurück wertvolle Zeit, die nicht abrechenbar ist.

    Ich finde, dass der dafür mögliche Strukturzuschlag aus den Behandlungen Ende 2015 jegliche weitere Zusammenarbeit mit den Kostenträgern verbietet, denn genau dafür wäre er da, um mehr Organisation bezahlen zu können. Er bietet aber genau das Gegenteil an Anreizen.Es wird derjenige belohnt, der keine schnellen Erstgepräche, sondern viele Therapiestunden anbietet, also wenige PAt. übertherapiert! Es ist eine absolute Frechheit und völliger Schwachsinn, was da verzapft worden ist. Eine wirkliche Hilfe eines sinnvollen Strukturzuschlag wäre der, der die Gesamtprüfzeiten der Praxis mit einbezieht, die Scheinanzahl und das Angebot, wzb. Gruppentherapie! Eine Sprechstundenziffer könnte gut das psych. Gespräch sein, wenn es denn eine vernünftige und wertstabile (KEINE Floating) Nummer wäre, über 15 / Quartal. Es
    muss dazu nichts Neues erfunden werden. Dieses Honorarergebnis ist eine Katastrophe, der floatende 23220 Wert ein Skandal.

    Ich kann mit Fug und Recht behaupten, ich biete, wie oben genannt, einen vernünftigen Zugang, also Leistungen im Sinne einer psych. Sprechstunde. Ich biete einen schnellen Zugang und einen wohlüberlegten Weg zu einer möglichen Therapie. Eine Sprechstunde sollte immer freiwillig sein, Es ist ein freier Beruf und die Ausgestaltung obliegt auch regionalen Unterschieden! Leider kann ich mit denen von Ihnen gemachten zu diskutierenden Vorschlägen gar nichts anfangen. Hier einige Anmerkungen:

    1. Grundlegende Überlegungen: „Die Sprechstunde soll in erster Linie kurzfristig die Frage beantworten, ob eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt, um hieraus qualifizierte Empfehlungen zum weiteren Vorgehen
    abzuleiten.“

    ==> Innerhalb einer Zeit von 15-45 MInuten kann ich keine genaue Diagnostik machen, ich kann jedoch das Problem eingrenzen und dem Patienten mögliche, nun zu gehende Wege aufzeigen (Beratungsstelle, Diagnostik im Rahmen einer Psychotherapie, Klinikeinweisung sofort) Ich finde die Sprachformulierung
    mehr als unglücklich.

    obligatorische Bestandteile:
    -Aufklärung (über die in der Sprechstunde erbrachten Leistungen)
    -Abklärung des Vorhandensein einer Behandlungsbedürftigen Störung
    -Verdachtsdiagnose oder Ausschlussdiagnose
    -Feststellung des Schweregrads
    -Entscheidung über Behandlungsbedarf
    -Empfehlungen zu weiterem Vorgehen:
    – standardisierte Form der Mitteilung der Befunde und Empfehlungen

    ==> Dies erzeugt mehr Druck als ein sinnvoller Erstkontakt aushält. Keine obligaten Bestandteile. Ziel ist doch immer die fachliche EInschätzung und Empfehlung. Es liegt in der Berufsfreiheit, dies fachgerecht zu analyxsieren!

    fakultative Bestandteile nach fachlichem Ermessen, z.B.:
    -Einsatz standardisierter psychodiagnostischer Instrumente vor oder im Rahmen der PT-Sprachstunde
    -Erhebung von Kriterien der Dringlichkeit und Schwere, wie z.B. Grad der Chronifizierung, Funktionsniveau,

    weitere Faktoren (Versorgung von Kindern, Bedrohung der Arbeitsfähigkeit, …)
    -Einbezug weiterer Befunde und weiterer anamnestische Befunderhebungen

    ==> wenn fachliches Ermessen, dann dies auch so lassen. Ein erfahrener und verantwortungsbewusster Therapeut wird das Richtige tun! Fakultative Bestandteile, darüber sollte nicht diskutiert werden, denn es sind ja fakultative.

    3. Rahmenbedingungen der Durchführung der Sprechstunde
    -Bestellsprechstunde, die freiwillig angeboten werden kann
    -Verankerung entsprechender Leistungen im Bundesmantelvertrag und im EBM
    -sie ist grundlegend vom psychotherapeutischen Gespräch zu unterscheiden
    -Zeitumfang und Zeitkontingente
    -Zuordnung von maximalen Zeiteinheiten, die den obligatorischen und fakultativen Bestandteilen zugeordnet

    werden
    -kumulierte Dauer individuell an den Bedarf des Patienten angepasst
    -Frequenz der Einbestellung abhängig vom Bedarf des Patienten (bspw.: besteht die Möglichkeit einen

    Patienten erneut einzubestellen bei erschwerter Befunderhebung durch beeinträchtigten sprachlichen

    Ausdruck)

    ==>Ich sehe hier keinen Ansatz, eine Sprechstunde auch fachlich fair zu vergüten, leider?! Die Gesprächsleistung „psychotherapeut, Gespräch“ finde ich sinnvoll nutzbar, wenn es denn überhaupt eine Sprechstunde geben muss.

    C: Akuttherapie

    Auch bei der Akuttherapie handelt es sich um eine neu auszugestaltende und in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu integrierende psychotherapeutische Leistung. Kurz gesagt kann eine Akuttherapie als eine kurzfristige und kurzeitige Intervention gefasst werden, die auf die Linderung aktueller Beschwerden mit adaptiv auf die Bedürfnisse des Patienten angewandten Techniken abzielt. Der zeitliche Rahmen liegt bei schätzungsweise 8 – 10 Sitzungen. Ihr Beginn ist zeitnah im Anschluss an die Sprechstunde verortet. Ziel ist die Vermeidung von Chronifizerung und des Fortschreitens des Schweregrades der vorhandenen Symptomatik.

    ==>Auch hier bietet sich die bisherige Therapieordnung (KZT zur Krisenintervention) an. Es muss hier nichts verändert werden. Allerdings sollten probatorische Sitzungen besser vergütet werden und in das
    Zeitkontingent des Strukturzuschlages mit reinfallen!

    D: Gruppentherapie

    Die Erhöhung des Anteils an durchgeführten Gruppenpsychotherapien im ambulanten Setting von derzeit marginalen Werten ( Die Gruppentherapieausbildung hat ihre sinnvolle Rolle, denn nicht jeder kann Gruppentherapie! Dadurch, dass mehr, aber schlechter ausgebildete Leute GT machen, ist nicht die Lösung des Problems!
    Antragsbefreite GT-Stunden außerhalb des Einzeisitzungskontingentes, bspw. 20 Doppelstunden je Patient, wären ein realistischer Anfang, vernünftige Vergütung ein anderer. EInfacher Zugang heißt, ich brauche die Möglichkeit, GT anzubieten bzgl. Organisation, ohne Antragsquerelen. Und ich muss einen Gruppenraum vorhalten, es muss sich rechnen.

    E: Rezidivprophylaxe

    ==> Solange Nummern, wie das PT-Gespräch, zu niedrig vergütet und floaten, werden doch solche Mittel nicht benutzt.

  9. Ich könnte mir vorstellen 1 Tag in der Woche mit 2h in der Woche für Sprechstunde bzw. Krisengespräche offen zu halten. Terminierung allerdings über eine Sprechstundenhilfe/Praxispersonal. Vor allem im Kinder-und Jugensbereich finde ich dies als unabdingbar. Desweiteren könnten an diesem Tag auch Krisengespräche angeboten werden. Diagnostischen Abklärung in Form von Screenings und Leistungsdiagnostik könnte auch geschultes Praxispersonal übernehmen. Bspw. könnte man auch ein niederschwelliges Gruppenangebot zur Verhinderung einer erneuten Dekompensation anbieten. (als langfristiges Angebot bzw. dafür vorgesehene Stundenkontingente)

  10. Eine Akutsprechstunde halte ich aus verschiedenen Gründen für sehr schwierig. Allein schon das Vorhalten der freien Zeit verlangt eine Kapazität, die ich nicht habe. Ich arbeite im ländlichen Raum. Meine Praxis ist voll ausgelastet , ich arbeite am Rande meiner Belastbarkeit. Andere psychosoziale Angebote und Anlaufstellen sind anders als in Großstädten, die meine Patienten oft gar nicht erreichen (können), sehr dünn gesät. Insofern stellt sich mir neben der zeitlichen Komponente die Frage, wohin ich die Patienten nach erfolgter Sprechstunde schicken soll. Meine niedergelassenen Kollegen sind nicht weniger ausgelastet als ich. Also Warteliste! Ich habe ohnehin das Gefühl , dieses eher sparsame Versorgungsnetz durch die Gesprächsziffer abzufangen. Über die Honorierung möchte ich gar nicht reden. ……
    Krankschreiben, Einweisen , Überweisen , Verordnung von soziotherapeutischen Maßnahmen wären absolut notwendige Kompetenzerweiterungen. Sonst schicke ich den Patienten nach dem Gespräch zum Haus- oder Facharzt weiter. Damit würde man meiner Meinung nach keine Ressourcen sparen, sondern noch mehr binden.
    Ich habe auch noch keine Vorstellung wie ich in 20 -30 Minuten zu einem Urteil kommen soll, das ich sonst in mehreren Stunden Probatorik „fälle“.
    Aber gut, ich möchte nicht nur sagen ,was nicht geht. Vielleicht wäre eine Bestellsprechstunde denkbar. Ich könnte mir vorstellen , eine Stunde pro Woche freizuhalten. Bspw. am Montag oder Dienstag. Die Patienten könnten in der Woche vorher telefonisch einen 30 minütigen Termin für diese Zeit vereinbaren. Immerhin wäre dann ein kurzer Termin innerhalb einer Woche möglich, was in meinem derzeitigen Praxisablauf überhaupt nicht denkbar ist. Wenn sich bis Freitag niemand angemeldet hat, könnte ich den Termin an einen meiner Patienten vergeben . So hätte ich auch keinen Ausfall und würde keine Ressourcen verschwenden.
    Generell bin ich sehr skeptisch. Ich denke dass hier auf dem Rücken der Therapeuten den Patienten eine verbesserte Versorgungslage vorgegaukelt werden soll. Ich bin sehr gespannt, wie diese Sprechstunde und der damit verbundene bürokratische Aufwand vergütet werden soll. Aber ich gebe mich hier keinen Illusionen hin.

  11. Ich habe nur eine halbe Zulassung. Wenn ich trotzdem die Sprechstunde anbieten müsste, wäre es für mich wichtig, dass diese außerhalb dieses Kontingents berechnet würde, da sonst die jetzt schon viel zu knappen Therapieplätze weiter reduziert werden müssten. Das wäre für die Versorgungslage vor Ort definitiv ein Rückschritt. Ausserdem hoffe ich auf eine angemessene Vergütung.

  12. Nach meiner Erfahrung (und wie schon von anderen Kollegen angemerkt) kommen Patienten nicht mit dem Wunsch nach Diagnostik, sondern mit dem Wunsch nach Behandlung. Die Idee, einen Patienten in der Sprechstunde (relativ kurz) zu sehen und Diagnostik und Therapieempfehlung in kürzester Zeit „abzuarbeiten“ halte ich nicht für umsetzbar – und ob dem Patienten damit allein geholfen ist, wage ich zu bezweifeln.
    Sinnvoll finde ich die Möglichkeit zur Akuttherapie. In Gesprächen mit Hausärzten taucht immer wieder der Wunsch nach der Möglichkeit auf, Patienten mit akuter Problematik unkompliziert und schnell zum Psychotherapeuten schicken zu können (z.B. Tod, Erkrankung eines Angehörigen, eigene schwere Erkrankung). Diese Fälle wären im Wochenverlauf gut für Ausfallstunden planbar. Denn es stellt sich natürlich die Frage, wie ausgelastete Praxen noch Sprechzeiten unterbringen sollen.
    Gut gefallen mir auch die Vorschläge zur Rezidivprophylaxe. Also alles was uns in der Behandlung etwas mehr Freiraum bietet, jede Möglichkeit individuell für den Patienten zu entscheiden und kurzfristig für einen begrenzten Zeitraum Leistungen anzubieten, begrüße ich.
    Kurze Sprechstundenkontakte und vielleicht ein Berg an Fragebögen bringen für die Patienten keine Verbesserung.

  13. An dieser Stelle möchte ich einige Gedanken, Anregungen etc. zu geplanten Veränderungen bzgl. Sprechstunde für Psychotherapeuten etc. machen:

    Sprechstunde:

    1. wie soll eine Vergütung aussehen?, Vorschlag: pauschal

    2. Länge einer Sitzung?
    3. wie kann Qualität gewährleistet werden, wenn ich bspw. 2h Sprechzeit habe, aber 6 Pat. diese in Anspruch nehmen?
    4. wie erfolgt die Vermittlung?
    5. Zusatzbudget für mglw. notwendiges Zusatzpersonal?
    6. bei zus. Sprechstunde müßte sich Anzahl der Stunden reduzieren, die für Zuschlag notwendig werden (Anpassung)

    7. Risiko für Fehldiagnosen sowie damit einhergehende falsche Weiterleitung des Pat. ist als sehr groß anzusehen, da mglw. nicht genügend Zeit für Diagnostik verbleibt: höchstens Verdachtsdiagn. und Beratung realistisch erscheinend

    8. ausführliche Diagnostik in diesem Rahmen nicht mgl. – ethisch nicht vertretbar

    9. erforderliche Befunde: wäre Standardisierung notwendig; insges. zeitaufwendig und wie vergütet? – je mehr Pat. in Sprechstunde, um so mehr Arbeit (widerspricht Pauschalvergütung!) 10. wäre Sprechstunde nicht als Vorstufe der Therapie in and. Settings möglich? – Institutionen, die nur darauf ausgerichtet sind oder Beratungsinstitutionen?

    Nachsorgevorschläge:

    9. insges. sehr begrüßungswert, wenn gleich adäquate Bezahlung notwendig erscheint ebenso wie eine nicht notwendige Beantragung solcher Leistungen

    10. positiv auch: weil dadurch prophylaktisch gegen Symptomverschlechterung gg. Ende der Therapie vorgegangen wird

    Antragsverfahren

    11. generelle Abschaffung von Antragsverfahren: dadurch ständige Zweifel an fachl. Kompetenz vermittelt, gibt es bei keinem and. Facharzt

    12. Vorschlag: statt Antrag zur Überprüfung und Aufrechterhaltung der Qualität – Nachweis von Fallsupervisionen (z.B. im Rahmen von Qualizirkel oder Intervisionsgruppen)

    13. Vergütung der Anträge steht bislang nicht im Verhältnis zu notwendigem Stundenumfang

  14. Als KJP sehen wir folgende Schwierigkeiten zur Sprechstunde:
    – Einverständnis beider Sorgeberechtigter, um eine Sprechstunde durchzuführen
    – es müssen Eltern und Kind gesehen werden, d.h. es ist nur schwer innerhalb einer Sprechstunde realisierbar
    – Kindeswohlgefährdung – muss teilweise abgeklärt werden
    – fragliche Offenheit/Vertrauen des Kindes innerhalb kurzer Zeit (20 min.???)
    – Diagnosestellung und Behandlungsbedürftigkeit kann nicht in 20 min. hinreichend beurteilt werden; hier sehen wir die Gefahr einer falschen bzw. ungenauen Diagnostik
    – Vertrauensaufbau beginnt mit der ersten Minute, Beziehung ist im KJP Bereich das „Hauptarbeitsmittel“. Was vermittle ich als Therapeutin, wenn ich eine Sprechstunde anbiete und dann zu einer weiteren Therapie nicht zur Verfügung stehen kann – dies verursacht doch wieder einen Vertrauensbruch und enorme Frustration bei allen Beteiligten.
    – Wir befürchten, dass mit der Sprechstunde die Erwartungshaltung verbunden wird, dass Therapie schnell an dieser Stelle begonnen werden kann. – Freie Therapieplätze sind jedoch trotzdem nicht vorhanden. Wenn wir für die Sprechstunde wöchentlich bpsw. 2 Stunden anbieten, geht wieder die Zeit für 2 Therapien verloren – soll dies wirklich so sein?
    – Was mache ich, wenn die Sprechstunde „überrannt“ wird und ich im Anschluss daran normale Therapiestunden anbiete, welche dann nicht im Zeitbudget angeboten werden können?
    – Es ist häufig keine Sprechstundenhilfe vorhanden, welche die wartenden Patienten koordiniert.

    Zur Akuttherapie:
    – erachten wir im Bereich bspw. Akuttraumatisierung als sehr sinnvoll
    – Das Antragsverfahren müsste dann entsprechend verkürzt werden (teilweise warten wir 5 Wochen auf den Konsiliarbericht); Gutachterverfahren ev-. nachreichen???; Krankenkassen verkürzen die Bearbeitungsdauer
    – Dies wäre in unserem Fall nur vormittags anzubieten, was in diesen speziellen Fällen durchaus realisierbar wäre. Hierfür wäre eine zentrale Information über das Regionalschulamt notwendig.
    – Viele KJP-Praxen sind räumlich nicht darauf ausgelegt, dass mehrere Patienten im Wartebereich warten können

    Zur Rezidivprophylaxe:
    Diesen Punkt finden wir sehr begrüßenswert und freuen uns wenn diese Punkte realisiert werden können.

  15. Wir haben die Frage im Rahmen unseres Qualitätszirkels diskutiert. Auch wenn die Einführung einer Sprechstunde gesetzlich vorgesehen ist, erscheint uns die Umsetzung in den niedergelassenen Psychotherapiepraxen weder sinnvoll noch umsetzbar.gegenwärtig sind die leider sehr langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz für Patienten jetzt schon ein großes Problem. Wenn die Psychotherapiepraxen
    zusätzliche Sprechzeiten einführen müssen, geht diese wiederum von den Behandlungszeiten für die Patienten ab. Die Folge wäre eine noch längere Wartezeit auf einen „echten Behandlungsplatz“.

    Eine sinnvolle Möglichkeit sehen wir daher nur in einem Outsourcen dieser Leistung. Ein umsetzbares Modell könnte die Einführung von ambulanten Beratungszentren sein. Dort könnten approbierte Psychotherapeuten arbeiten, die professionell genug sind, um zu prüfen, welche Interventionen (Beratung/Tagesklinik/ Klinik/ ambulante Psychotherapie/ medikamentöse Einstellung/ Selbsthilfegruppen/ andere professionelle Hilfsangebote, etc. ) im Einzelfall notwendig erscheinen. Hilfreich wäre es auch, wenn diese Zentren bereits
    niedrigschwellige Therapieangebote wie kurzfristige Kriseninterventionen anbieten könnten. Insofern würden auch die psychiatrischen Kliniken/Rettungsstellen/ PIAs nicht durch eine „Problemverschiebung“ zusätzlich belastet, da die Leistung im ambulanten Sektor bleibt.

  16. Meines Erachtens nach gestaltet sich die Sprechstunde als schwierig. In meinem Fall wäre nicht einmal ein Wartezimmer in der Praxis vorhanden, sodass ich andere Räumlichkeiten mit höheren Kosten anmieten müsste. Das zweite Problem sehe ich in der Finanzierung, denn gerade wurde die Vergütung der genehmigungspflichtigen Leistungen erhöht. Worin bitteschön soll der Anreiz bestehen, nun noch mehr nicht genehmigungspflichtige Leistungen anzubieten, wo ich so viele Patienten habe und Therapien abhalten kann?!
    Die nächste Schwierigkeit ergibt sich aus der zeitlichen Gestaltung: wie soll ich in z.B. 10 oder 15 min so viel Vertrauen zu einem Patienten aufbauen, dass er mir offen und in vollem Umfang sein Problem schildert, sodass ich eine fachlich fundierte Einschätzung und Empfehlung abgeben kann? Geschweige denn, noch Diagnostik durchführe… Und wenn es länger dauert, dafür habe ich doch dann die Probatorik! Und selbst da stelle ich nach einer Stunde noch keine Diagnose!!! Und wie soll ich dem Patienten sagen, dass nach z.B. 15 min wieder Schluss ist, wo er gerade angefangen hat, seine Probleme zu schildern? Was ist mit den anderen wartenden Patienten, die ich nach Ende der Sprechstunde wieder wegschicken muss ohne sie gesehen zu haben (Suizidalität)? Und was, wenn doch eine Behandlungsbedürftigkeit vorliegt (wie bei 95% meiner Patienten, sodass es eigentlich sinnlos ist, diese in einer Sprechstunde festzustellen oder auszuschließen)? Ich kann auf Grund der hohen Nachfrage keine kurzfristigen Termine vergeben und wenn, dann habe ich viele Patienten auf meiner Warteliste, die schon ohne die Sprechstunde sehnlichst auf einen Termin warten.
    Ich bleibe gespannt, wie das in der Praxis funktionieren soll.

  17. Ich arbeite in Privatpraxis und fände es super, wenn man auch ohne Zulassung eine Sprechstunde machen könnte. Ich komme aus mehrjähriger Akutklinikarbeit und fände diese Arbeit toll. Auch die Räumlichkeiten geben es her, außerdem haben wir eine Praxisassistenz. Die Organisation traue ich mir auch zu. Kurzum: Es ist alles vorhanden, was erforderlich ist.
    Die effiziente Nutzung müsste sich etablieren. Kaum ein Patient, auch kaum ein Hausarzt und sicher auch mancher Psychiater weiß nicht, dass Psychologische Psychotherapeuten theoretisch diagnostizieren können. Auch in kurzer Zeit. Da viele Kollegen diesbezüglich selbst nachvollziehbare Zweifel haben, sollte die Sprechstunde freiwillig bleiben. Ich halte aktuell nicht viel davon, wenn man das verpflichtend macht. Das erhöht im Zweifel nicht die Qualität der Arbeit.
    Fraglich ist für mich die Finanzierung. Die sollte natürlich vernünftig sein. Zumal die Sprechstunde viele Ressourcen verschluckt. Und natürlich muss konsequent gehandelt werden können: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Verordnungen, Überweisungen müssen erstellbar sein. Sonst macht das wenig Sinn. Es ist schon eine Einschränkung, die ich jedoch befürworte, dass wir keine Medikamente verschreiben können.

  18. Nach meiner Ansicht müßten Sprechstunden pauschal analog Psychotherapeutischer Sitzungen inkl. Nachbearbeitungszeit bezahlt werden.
    Die Organisation von Sprechstunden wird ohne eingestelltes Personal eher schwierig?!
    Beratung wäre sicher gut mgl., jeder Ansatz von Diagnostik ist innerhalb der kurzen Zeit, also etwa 20 min. Pat. kontakt, oder, eher nicht sicher und kompetent zu machen.
    Über gute Ideen zur Standardisierung von Informationserhebung vor dem KOntakt oder zur Weitergabe von „BEfunden“ nach dem Knntakt wäre ich ebenfalls dankbar.

  19. Zur Sprechstunde und frühzeitigen diagnostischen Abklärung:
    Ich arbeite zeitlich an meiner oberen Kapazitätsgrenze, Sprechstunden würden meine Zeiten für Therapie reduzieren. In 8 Jahren Niederlassung in Einzelpraxis in einer Kleinstadt habe ich nur zwei Patienten in der Probatorik gehabt, die keine Indikation für Psychotherapie aufwiesen. Alle anderen erwiesen sich als behandlungsbedürftig. Ein großer Teil meldet sich mit ärztlich ausgesprochener Empfehlung zur ambulanten Psychotherapie an (Hausärzte, Psychiater, Akutpsychiatrie), da muß ich die Empfehlung für Psychotherapie in der Sprechstunde doch nicht noch einmal aussprechen …! Und für eine exakte Diagnostik benötige ich 2-3 Probatorikstunden, manchmal mehr.
    Fast alle meiner Patienten sind komorbid und chronifiziert erkrankt. Es gibt kaum „leichtere Fälle“ mit nur einer Störung, dafür ist die Schwelle, einen Therapeuten aufzusuchen, in der Bevölkerung scheinbar immer noch zu hoch (Angst vor Stigmatisierung). Wenn ich also in der Sprechstunde trotz notwendiger Therapie nur einen Platz auf der Warteliste anbieten kann, so ist das auch für mich emotional stark belastend, da durch den Erstkontakt eine persönliche Beziehung zum Patienten entsteht und ich dann trotz Leidensdruck vertrösten muß.

    Wurde schon einmal bedacht, dass ein Teil der Patienten Sprechstundenzeiten bei mehreren Therapeuten gleichzeitig wahrnehmen wird, während andere diesen Weg nur einmal oder (störungsbedingt) auch gar nicht auf sich nehmen? Die Patienten, die mehrere Therapeuten gleichzeitig aufsuchen werden, binden dann ebenfalls die ohnehin knappen Ressourcen …
    Die Idee, Sprechstundenzeit outzusourcen oder an qualifiziertes Praxispersonal weiterzuleiten, wird überall dort nicht funktionieren, wo auch bisher ohne zusätzliches Praxispersonal gearbeitet wird (wahrscheinlich in fast allen Einzelpraxen), denn wen könnte man schon für nur 1-2h wöchentlich einstellen – davon kann doch keiner leben. Besteht eventuell die Möglichkeit, gebietsweise zentrale Wartelisten zu führen, wobei Pat. sicher auch die Möglichkeit eingeräumt werden könnte, Wunschtherapeuten anzugeben (z.B. nur Männlein oder nur Weiblein bis hin zu konreten einzelnen Therapeuten). Ich stelle mir das so ähnlich wie in den Ausbildungsinstituten vor, wo auch eine Patientenliste für alle angehenden Therapeuten existiert … Diese Variante würde tatsächlich zu etwas mehr Zeit bei mir führen, da ich immer wieder erlebe, dass Pat. auf meiner Warteliste bei Rückruf für ein Erstgespräch bereits bei einem Kollegen/Kollegin untergekommen sind (kein Patient hat je bei mir angerufen, um sich von der Warteliste wieder streichen zu lassen).

    Zur Akuttherapie:
    Wer soll die Indikation stellen? Nach welchen Kriterien? Eine separate Akutversorgung verlängert in jedem Fall wieder die Wartezeiten für die Patienten auf meiner Warteliste, die nicht als akut gelten.
    Zur Gruppentherapie:
    Ich besitze nicht die offizielle Qualifikation, der Erwerb einer solchen ist mir auch zu teuer und zu zeitaufwendig und darüber hinaus fühle ich mich aufgrund meiner psychologischen und psychotherapeutischen Ausbildung sowie der geleiteten Gruppen während meiner „stationären Zeiten“ durchaus dazu in der Lage, Gruppentherapie durchzuführen. Viele meiner Patienten hingegen lehnen Gruppentherapie ab.
    Zur Rezidivprophylaxe:
    Die dargelegten Ideen zu Booster-Sitzungen, Erhaltungstherapie und Krisenintervention finden meine volle Unterstützung.

  20. ich finde die Idee der „Sprechstunden“ gar nicht schlecht. Meine Vollzeitpraxis ist zwar ausgelastet, allerdings ist es mir auch möglich, zeitnah Termine zu vergeben. Ich verwende schon im Vorfeld relativ viel Zeit am Telefon, um herauszufinden, ob eine ambulante Psychotherapie wirklich angezeigt ist. Oft handelt es sich um Beratungsanliegen, psychiatrische oder klinisch relevante Probleme bzw. Anliegen des Rententrägers oder Arbeitsamtes (lstrukturschwache Region). Hier betreibe ich sozusagen schon am Telefon die Steuerung, z.B. Beratungsstelle, Tagesklinik etc. In einer persönlichen Vorstellung würde ich dafür eine Vergütung erhalten und könnte zudem den Klinischen Eindruck nutzen.

  21. Die Vorschläge zur Rezidivprophylaxe wären richtig toll. Jetzt rette ich mich mit den Gesprächsnummern, die ja nicht so besonders toll vergütet werden……Das wäre mal eine gute sinnvolle Idee !!!!
    Keine Anträge mehr schreiben müssen für die Gruppentherapie wäre ebenfalls sinnvoll. So könnten diese auch schneller beginnen. In der „Sprechstunde“ könnten dann Patienten auch Gruppentermine angeboten werden, das wäre eine echte Verbesserung, finde ich.

  22. Vielen Dank für die hilfreichen Hinweise aus der Praxis – und vielen Dank auch für die Skepsis! Die bisherige Diskussion kommt so bei mir an, dass es doch einige Eckpunkte gibt, die von vielen mitgetragen werden können. Im Moment sind das für mich: keine weiteren Leistungen auf Kosten von Therapiezeit – keine Leistungsverschlechterung für Patienten, z.B. durch zu kurze Therapien; das geht dann nur durch Entlastung von therapiefremden Arbeiten; mehr Spielräume für therapeutische Entscheidungen und Freiwilligkeit von Sprechstunden; Rezidivprophylaxe zu einem angemessenen Honorar wird befürwortet; KJP Praxen brauchen eine wesentlich andere Struktur (danke, dass das mal jemand aus der Praxis heraus sagt!); Gruppentherapie ist zu umständlich in der Beantragung, zu bürokratisch in der Durchführung und zu aufwendig im Erwerben der Abrechnungsberechtigung und wird im Rahmen der praktischen Tätigkeit oft schon gemacht. So, hoffe ich habe die Eckpunkte, die sich bei den Diskussionsbeiträgen durchziehen, sozusagen den roten Faden aufgegriffen und werde es weitertragen. Danke!

  23. Ich bin bezüglich der psychotherapeutischen Sprechstunde noch sehr
    ambivalent: einerseits finde ich es richtig und wichtig, da manche Patienten
    ein viertel Jahr auf einen Therapieplatz warten, damit sich dann in der ersten
    probatorischen Sitzung herausstellt, dass sie besser in einer Klinik aufgehoben
    wären, ein anderes Therapieverfahren bräuchten, aktuell keine PT notwendig ist,
    sondern eine Beratung etc. pp. Das ist für die Patienten quälend und unnütz und
    für die Therapeuten und die anderen wartenden Patienten vertane Zeit.
    Andererseits stelle ich mir den Kraftaufwand logistisch immens vor: es beginnt
    schon damit, dass viele Therapeuten gar kein „richtiges“ Wartezimmer
    haben: müssen die dann alle umziehen? Sollen dann plötzlich 20 Patienten in
    einer Stunde „abgefertigt“ werden, die einfach vorbeikommen? Oder
    soll die Sprechstunde schon telefonisch vorher getaktet werden? Dann ist in
    meinen Augen der Unterschied zur jetzigen Praxis nicht besonders groß, außer
    dass man dann vielleicht 4 Patienten in einer Stunde sieht statt einem. Und die
    anderen 16 wegschicken müsste … denn in dem unterversorgten,
    strukturschwachen Gebiet, in dem ich arbeite ist damit locker zu rechnen …

    Ich könnte mir als Alternative vorstellen, dass PiA in fortgeschrittener
    Ausbildung dies übernehmen, evtl. zur ersten Sondierung. Optimal fände ich,
    wenn eine dritte Stelle die Koordinierung und Verteilung der Patienten
    übernähme, z.B. der SPDi. Dann wäre der Weg für alle Patienten gleich, es wäre
    übersichtlich und verständlich.

    Oder zur Not kann ich mir auch vorstellen zwei bis drei Stunden in der Woche
    eine Sprechstunde anzubieten, die vorher telefonisch koordiniert wird. Dann
    muss dies aber entsprechend vergütet werden (auch die Telefonzeiten) und es
    muss allen fordernden Stellen klar sein, dass dies eine Einschränkung für die
    laufenden Therapien bedeutet.

    UND sehr wichtig finde ich, dass eine gute Aufklärung der Patienten
    stattfindet, was eine PSYCHOTHERAPEUTISCHE Sprechstunde bedeutet: nämlich keine
    Linderung wie beim Arzt, sondern nur eine kurze Diagnostik, die nicht
    ausreicht, dass der Patient alles das loswerden kann, was er loswerden möchte

    • Die Frage nach dem „Ob“, da es sich um Gesetz handelt, stellt sich gar nicht, sondern mehr nach dem „Wie“. Man sollte sich auch Gedanken machen, wie die Kollegen innerhalb eines Versorgungsbereiches zusammenarbeiten, kooperieren und sich absprechen können und müssen. Vielleicht kann die OPK eben auch hier Hilfestellungen geben und entwickeln, wie Strukturen innerhalb eines Versorgungsbereiches organisiert werden könnten, damit die zu bewältigenden Aufgaben von allen Kollegen in etwa gleichermaßen wahrgenommen werden können und müssen.

  24. Ich wollte Ihnen nur kurz meine bestärkende Antwort auf die Lösungsvorschläge zur Gruppenpsychotherapie mitteilen. Ich würde sehr gern Gruppentherapie anbieten. Leider sind die in Ausbildung zu absolvierenden Gruppenpsychotherapiestunden nicht über die Kasse abrechenbar, was meine gesamte Ausbildung deutlich erschwert. Aus diesem Grund wäre ich sehr froh, wenn die von Ihnen vorgeschlagenen Möglichkeiten umgesetzt werden könnten.

    *Mögliche Lösungen:*
    – Wegfall des nicht sinnvollen Unterschieds in der Bewertung von Groß- und Kleingruppe zugunsten einer einzigen Berechnungsziffer. Damit lässt sich auch eine erneute Antragspflicht bei Wechsel von Groß- zu Kleingruppe umgehen.

    – Praktikablerer Regelungen zum Erwerb der Abrechnungsgenehmigung durch Anerkennung von in eigener Praxis durchgeführter Gruppentherapie unter qualifizierter Supervision für den praktischen Nachweis.

    – Befreiung von der Gutachterpflicht für Psychotherapeuten, die im Einzelsetting von der Gutachterpflicht befreit sind.

    • Nach allem was ich bisher erfahren habe, bin ich insgesamt skeptisch.
      Wie soll so eine Sprechstunde ablaufen?
      Ich hab 2001 in einer Rehaklinik gearbeitet. Dort war es üblich, dass die Patienten am Anreisetag zum Psychologischen Dienst mussten. Also an einem Nachmittag teilweise locker 30 Patientenkontakte, im 10 Minuten Takt.
      Eine Qual für alle Beteiligten! Es war weder eine vernünftige Diagnostik möglich, noch der Aufbau einer Beziehung, von tragfähig rede ich gar nicht…

      Hinzu komme organisatorische Probleme, Wartezimmer, Praxishilfe etc..

      Und letztlich darf man auch nicht vergessen, dass die finanzielle Belastung dadurch nicht vermindert wird.
      Als allein lebender Therapeut, der noch seinen Praxiskredit abzahlt und für ein Kind zu sorgen hat, bleibt nicht wirklich etwas übrig. Sprich die Altersvorsorge fällt ins Wasser.

      Es gab 2013 mal einen Artikel „Hohe Berufszufriedenheit trotz drohender Altersarmut“, in welchem die Situation der Psychotherapeuten gut dargestellt wurde.
      Aktuell fängt, zumindest bei mir, die Berufszufriedenheit an, weniger zu werden!

  25. Zwei Wünsche bezüglich der Gruppentherapie:
    Vereinfachte Umwandlung von bewilligten Einzel- in Gruppenstunden und andersherum, da zu Beginn der Therapie die konkrete Verteilung der Kontingente nicht absehbar ist, bzw. sich im Therapieverlauf verändern.
    Im Formular PTV2 gibt es keine Zeile zur Beantragung von Gruppenstunden für Bezugspersonen bei den Kurzzeittherapien, obwohl es die Gebührenziffer gibt. Ich trage diese aktuell handschriftlich ein, die Kassen bewilligen diese, je nach Kenntnisstand.
    Beides führt zu einem organisatorischen Mehraufwand.

    • Unterstütze ich: wenn Genehmigung erteilt, sollte das von vorherein für Leute mit GT Abrechnungserlaubnis wechselbar sein. Man hat X Stunden udn kann die nach eigenem Einschätzen verwenden, das wäre schön.

  26. Zunächst möchte ich dafür danken, daß in diesem Rahmen hier die Möglichkeit von Wortmeldungen besteht. Ich halte das für eine gute Idee. Die Erweiterung unseres
    Instrumentariums begrüße ich sehr und könnte mir probeweise die Einführung einer Sprechstunde und die Durchführung psychoeduktiver Gruppen vorstellen.

    Zur Sprechstunde:
    Mir ist wichtig, daß die Sprechstunde freiwillig ist und auch vorübergehend ausgesetzt werden
    kann, um z.B. Rückstände (aufgelaufende Patienten mit Indikation) erst einmal abzuarbeiten. Außerdem müßte sie sowohl im Umfang als auch in der zeitlichen Lage an die tatsächliche Nachfrage angepaßt werden können. Wenn ich mir die von Patienten angegebenen
    Zeitfenster, in denen sie zu Terminen kommen können (wegen Schichtdienst, Verfügbarkeit von Mobilität, Kinderbetreuung etc.), anschaue, ist das so weit gestreut, daß eine Sprechstunde zu fixen Zeiten sinnlos wäre. Außerdem würde ich eine Bestellsprechstunde
    bevorzugen, weil ich ohnehin mit jedem Anrufer eine kurze telefonische Abklärung mache, damit ich Notfälle bevorzugt berücksichtigen kann und auch niemand fälschlicherweise auf meine Warteliste kommt, der z.B. nur Medikamente wollte. Die Freihaltung einer Stunde pro Woche für unangemeldete Patienten könnte ich mir prinzipiell auch vorstellen, aber nur als freiwillige Möglichkeit, und da müßte wegen der unklaren Anzahl der tatsächlich kommenden
    Patienten die Gesprächsdauer variabel sein. Inhaltlich wäre dann u.U. nicht mehr als eine erste Orientierung drin, keinesfalls alles, was oben bei den obligatorischen Bestandteilen aufgelistet ist. Die Freihaltung dieser Stunde müßte dann auch so wie eine normale
    Therapiesitzung bezahlt werden. Größere Zahlen von Patienten würden bei mir allerdings nicht ins Wartezimmer passen. Wie man allerdings allen, bei denen man in der Sprechstunde eine mögliche Indikation festgestellt hat, dann auch noch kurzfristig probatorische Sitzungen
    anbieten will, ist mir unklar. Da Therapien nunmal langfristig Kapazitäten binden, ist das nicht machbar. Bei vier Patienten in Woche 1, müßte ich dann weitere drei Wochen jeweils vier
    probatorische Sitzungen machen, und das während in diesen drei Wochen weitere Patienten in der Sprechstunde auflaufen, die dasselbe Programm brauchen.
    Mir ist außerdem unklar, was ich mit den deutlich mehr Patienten, die ich dann sehen würde,
    machen soll. Die bisherigen Vorstellungen dazu scheinen mir mehr für Großstädte gedacht zu sein. Die Situation von Therapeuten im ländlichen Raum wird zu wenig berücksichtigt. Ich bekomme fast alle Patienten von Ärzten oder Kliniken zugewiesen, d.h. eine nicht
    gegebene Indikation ist eher wenig wahrscheinlich, habe aber kaum Weiterverweisungsmöglichkeiten, z.B. spezielle Selbsthilfegruppen, da es diese in zumutbarer Entfernung meist nicht gibt. Kliniken sind z.T. vom Patienten nicht gewünscht, wenn sie nicht gerade sowieso schon aus der Klinik kommen, oder haben selbst lange Wartezeiten. Von
    den Schwierigkeiten, für Patienten einen zeitnahen Psychiatertermin zu bekommen, rede ich erst gar nicht. Der Umstand, daß alle Behandler überlaufen sind, motiviert auch nicht zur Vernetzung, weil niemand anderen noch mehr Patienten schicken will.
    Wenn ich größere Zahlen Patienten diagnostizieren muß, als ich es bisher getan habe, kann
    ich ja nur die Zahl der Therapiesitzungen vermindern. Das hätte für Patienten zur Folge, daß sich die Zeitdauer bis zum persönlichen Erstkontakt verkürzt und die für den Start der Therapie verlängert. Patienten fragen aber gezielt nach einem Therapieplatz und nach der Zeit bis sie einen haben können. Wenn sich das herumspricht, daß man zwar schneller
    ein Erstgespräch bekommt, aber noch lange keinen Therapieplatz, werden die Patienten Terminangebote, die dann doch nur zu einer noch mehrmonatigen Wartezeit führen, ohne Garantie, dann wenigstens bei dem Therapeuten reinzukommen, wohl eher ablehnen. Außerdem reagieren Patienten mit Indikation und einem guten persönlichen Kontakt im
    Erstgespräch sehr enttäuscht, wenn man sie nicht selbst nehmen kann oder sie noch lange warten müssen. Diese impliziten Erwartungen von Patienten lassen sich auch nicht durch klare Ansagen auflösen, und dies erschiene mir therapeutisch auch nicht wünschenswert.
    Außerdem wurde bisher nicht bedacht, daß bei einer schnellen diagnostischen Abklärung mit
    nachfolgender längerer Wartezeit auf einen Therapieplatz die Diagnostik und Indikationsklärung vor einer Therapieaufnahme dann noch einmal komplett wiederholt werden müßte. Den Einsatz psychometrischer Instrumente bei einer wesentlich größeren Zahl von
    Patienten als bisher sehe ich auch kritisch. Wo soll ich denn diese Papierstapel archivieren? Insgesamt scheinen mir viele der neuen Möglichkeiten mit einem größeren Raumbedarf in unseren Praxen verbunden zu sein, weshalb die Angebote freiwillig bleiben müssen,
    da nicht beliebig viele alternative Räumlichkeiten für Psychotherapiepraxen zur Verfügung stehen, besonders nicht im ländlichen Raum. Ein Problem sehe ich auch in der deutlich
    geringeren Vergütung probatorischer Sitzungen. Wenn man dann mehr Patienten Probatorik anbieten muß als man dann auch – trotz bestehender Indikation – in Behandlung nehmen kann, weil sich die Patienten in der Wartezeit dann vielleicht zu einem anderen Therapeuten begeben haben, reduziert sich für den einzelnen Therapeuten effektiv das Honorar, während die Krankenkasse das Doppelte für die diagnostische Phase bezahlt.

    Zur Gruppentherapie:
    Die Idee, die Kapazitäten mittels Gruppentherapie auszuweiten, erscheint mir sehr theoretisch.
    Die von mir befragten Patienten haben eine Gruppentherapie abgelehnt und wollen lieber eine Einzeltherapie. Ich selbst möchte Gruppentherapie i.e.S. eher nicht anbieten, weil mich meine
    diesbezüglichen Erfahrungen mit Gruppentherapie in Kliniken nicht so überzeugt haben. Psychoedukative Gruppen oder eine Gruppe für Soziales Kompetenztraining könnte ich mir dagegen gut vorstellen, und so etwas würde von Patienten, die Gruppentherapie oft nicht
    mögen und sich dort nicht öffnen wollen, sicher auch noch am ehesten akzeptiert. Wenn ich aber zwischen Probatorik und Einzeltherapie eine psychoedukative Gruppe für z.B.
    krankgeschriebene Burnout-Patienten anbiete, was mir bei meiner Klientel am ehesten sinnvoll erschiene, habe ich kurz darauf für alle, obwohl ich sie nur oberflächlich kenne, Anfragen nach detaillierten Befunden von Krankenkassen, Arbeitsämtern, Rentenkassen u.a. Selbst mit Sekretärin wäre die Zunahme der Bürokratie nicht zu bewältigen. Den Inhalt muß ich ja immer noch selbst schreiben. In Praxen im ländlichen Raum dürften Gruppentherapien auch eher schwierig sein, da Patienten ungern auf Bekannte treffen wollen und sich das vorher wohl kaum schweigepflichtsfest klären läßt, wer da wen kennt. Außerdem möchte ich keine Gruppentherapie-Ausbildung machen müssen, um Gruppen für Psychoedukation und soziales Kompetenztraining abrechnen zu können. Da würde ich mich veralbert fühlen, weil ich das fachlich auch so leisten kann, insofern erscheinen mir die bisherigen Planungen zur Gruppentherapieausbildung unzureichend. Wozu brauche ich mit mehrjähriger Berufserfahrung Supervision, um eine Psychoedukationsgruppe durchzuführen? Vielleicht sollte man die Abrechnungsgenehmigung für Gruppentherapie staffeln in “Gruppenangebote ohne Therapie i.e.S.“ und „Gruppen-PT i.e.S.“

    Zur Therapiebeantragung:
    Es wäre sehr erfreulich, wenn die Antragsbegründungen künftig deutlich kürzer und
    tabellarisch erfolgen könnten. Gerade die Ausformulierung in Sätzen führt zu einem hohen Zeitaufwand, der nicht vergütet wird.

    Ich möchte außerdem anregen, die Entwicklung dieser neuen Instrumente evaluierend zu
    begleiten (mit der Möglichkeit der Nachbesserung) und dabei direkt Patienten nach dem von ihnen Gewünschten und für sie Hilfreichen zu befragen, dabei aber deutlich zu machen, daß ein mehr von dem Einen (z.B. schnelles Erstgespräch), ein weniger von etwas anderem (z.B.
    zeitnahe Aufnahme einer Einzeltherapie nach dem Erstgespräch) bedeutet, sprich: die Prioritäten der Patienten zu klären. Ich befürchte nämlich, daß man – wie schon in den Krankenhäusern – nun auch im ambulanten Bereich zwar von Qualität redet, aber
    faktisch den Patienteninteressen und der Menschlichkeit immer mehr entgegengearbeitet wird, während wir in einen Widerspruch zwischen politisch-institutionalisierten Zwängen und dem in unseren Praxen wahrgenommenen Patientenbedürfnissen, auf die wir unbedingt verpflichtet sind, getrieben werden. Es nützt z.B. Patienten, die nach mehreren Jahren unmenschlicher Arbeitsbedingungen an einer Erschöpfungsdepression leiden, überhaupt nichts, möglichst schnell behandelt zu werden, wenn sie Zeit zur Regeneration brauchen und die fehlende berufliche Perspektive danach störungsverschärfend und -aufrechterhaltend wirkt. Wenn die Krankenkassen Geld sparen wollen, sollten sie sich für menschlichere Arbeitsbedingungen einsetzen. Das würde sehr viele Behandlungskosten sparen, und dann würden die aktuellen psychotherapeutischen Angebote für die Bevölkerung auch ausreichen.

  27. Danke, dass hier die Möglichkeit gegeben wird, über die genannten Punkte zu diskutieren. Anschließen kann ich mich, den vielen vorherigen Kommentare, dass die Gefahr besteht, dass die zusätzlichen Leistungen auf Kosten der regulären Therapiestunden gehen werden, da jetzt schon wohl jeder Therapeut sei mögliches Zeitkontigent soweit ausgeschöpft hat wie er kann. Damit die Kassen nicht wittern können, dass sie über Sprechstunde eine billigere Versorgung bekommen, sollte die Vergütung mindestens der einer antragspflichtigen Psychotherapie + des neuen Zuschlags gemäß 35251-35253 (bei mindestens halber Auslastung für antragspflichtiger PT) entsprechen (wenn weniger Leistungen erbracht werden können im Rahmen der antragsspflichtigen Psychotherapie geht dies gerade zu Lasten der Stunden die über der 50% Auslastung liegen, ab der der Zuschlag gezahlt wirdl). Kritisch erlebe ich, dass viele Patienten wohl mit dem Wunsch nach einer Weiterbehandlung nach der Sprechstunden kommen werden, was aber dann nicht erfolgen kann, da eben bei Vollauslastung trotz aller Not nicht weiter Patienten aufgenommen werden können ( Wartezeit liegt zur Zeit bei mir bei ca 10-12 Monate bei Vollauslastung !!). Es müsste daher sehr genau definiert werden, was in der Sprechstunden geleistet und was nicht geleistet werden kann. Grundsätzlich denke ich, dass ein Gespräch wohl mindestens 20 min dauern würde, um einigermaßen adäquat den Bedarf abklären zu können (für Patienten, die sich schwer nur äußern können sicher länger). Interessant finde ich die in einem andern Beitrag genannte Idee des Outsourcing, ggf. könnte dies von Instituts- und Krankenhausambulanzen übernommen werden. Auch die Frage, ob es um eine freiwilliges Angebot gehen kann, finde ich wichtig zu bedenken. Wenn die Leistung gut honoriert wird, mindestens im Maß der antragspflichtigen Therapie, ggf. auch darüber, bestände wohl dann auch nicht die Gefahr, dass keiner die Leistung erbringen will, sondern sie gemäß der möglichen Praxisorganisiation angeboten werden würde. Mehr als 1 Stunde pro Woche erscheint mir wenig möglich, wenn nicht der Umfang der bisherigen geleisteten Versorgung für die Patienten reduziert werden soll. Falls die Gutachterpflicht aber für Therapieanträge ganz entfallen würde, und nicht andere
    zeitkostender Bürokratieaufwand oder sonstiger Antragsaufwand durch die
    Hintertür eingeführt wird, könnte die dadurch frei werdende Zeit gerne für Sprechstunden verwendet werden.
    Übrigens biete ich schon, ohne dass es refinanziert ist, zweimal die Woche eine Telefonsprechzeit an, bei der sich Klienten anmelden und zum allgemeinen Therapieangebot informieren können, ich auch allgemeine Empfehlungen für ggf. andere Hilfen , soweit am Telefon möglich, gebe. Diese Leistung würde ich sicher sofort entfallen lassen, wenn es die Sprechstunden gäbe, auch meine bisherige unentgeltliche Antwort auf Patientenanfragen per E-Mail.
    Die genannten Punkte zur Rezidivprophylaxe begrüße ich sehr, aber auch hier sollte aus berufspolitischen Gründen berücksichtigt werden, dass die Bezahlung nicht unter der antragspflichtigen Psychotherapie + eine (gegebenenfalls gemittelten) Zuschlag gemäß 35251-35253 liegt.
    Bei der Frage der Akutpsychotherapie finde ich wichtig, dass diese nicht durch die Hintertür zu mehr Berichte schreiben führt. Es sollte daher klar werden, falls nicht ganz die Gutachterpflicht ganz entfällt, dass die geleisteten Stunden in Akutpsychotherapie nicht dazu führt, dass dann für den nächsten Therapieantrag für antragspflichtige Leistungen einen Bericht an den Gutachter fällig wird.

    • Das freut mich sehr, dass sies gut finden. Eine Kammer, die sich nur alle vier Jahre zur Wahlzeit für mich interessiert, würde ich auch nicht unterstützen!
      Als Zwischenstand darf ich berichten, dass ich die hier geäusserten Ideen und Bedenken in den bisher geführten Hintergrundgesprächen eingebracht habe. Den Kassen ist klar, dass es Geld kosten wird und dass sie motivierend bezahlen müssen. Allerdings wird die Vergütung nicht im G-Ba verhandelt und das ist jetzt der nächste Schritt. Deshalb hören sie auch aktuell nichts von der Vergütungshöhe, das heisst aber nicht, dass es unwichtig ist.

  28. Zum Thema der Sprechstunde: Nichteinmal als Privater kann ich mir ggw.
    vorstellen, wie ich eine Sprechstunde zeitlich realisieren sollte, ohne,
    dass darunter die Arbeit in meinen laufenden Therapien leiden würde.
    Zur
    frühzeitigen diagnostischen Abklärung: Eine Diagnostik, die den
    Patienten mit dem Ergebnis der Behandlungsbedürftigkeit konfrontiert,
    ohne dass ich als Behandler eine Therapie anbieten kann, ist zynisch.
    Zur
    Gruppentherapie: Vor dem Erhalt meiner Approbation habe ich im Rahmen
    meiner klinischen Tätigkeit ca. 4000 Stunden Gruppentherapie
    durchgeführt. Als Niedergelassener darf ich das nun nicht mehr, sondern
    muss wiederum eine teure und zeitaufwändige Ausbildung absolvieren.
    Überdies sind die Bewilligungszyklen für die Gruppentherapie nicht an
    der fachlichen Wirklichkeit psychodynamischer Verfahren orientiert. Wie unter diesen Bedingungen
    eine „Stärkung“ ambulanten psychotherapeutischen Versorgung erreicht
    werden soll, kann ich nicht erkennen.
    Und zu guter Letzt: Besorgt
    macht mich, dass sich offenbar kaum jemand an dem Umstand stört, dass
    künftig Kliniken in großem Stile in die ambulante Versorgung einbezogen
    werden sollen. Hier wird aus meiner Sicht schrittweise an der
    Umverteilung der freiberuflichen Tätigkeit hin zu Klinikkonzernen
    gearbeitet.
    Fazit: Das Versorgungsstärkungsgesetz ist Ausdruck einer
    zynischen Schaufensterpolitik, die mitnichten die Stärkung der
    Versorgung, sondern lediglich die Vortäuschung von Gestaltungswilen bei
    gleichzeitiger
    Ignorierung der real bestehenden Bedarfe und letztlich Kostenreduktion zum Ziel hat.
    Darüber hinaus ärgert mich, dass weder durch die OPK, noch durch andere Verbände bislang hörbar die sich durch das VSG dramatisch verschlechternde Berufssituation privat niedergelassener Psychotherapeuten problematisiert wird. Als ein solcher trage ich in einer Kleinstadt mit einer voll ausgelasteten Praxis (60 Patienten) seit über drei Jahren zur Sicherstellung der regionalen Versorgung bei. Mein PatientInnenstamm besteht zu 90% aus gesetzlich Versicherten, deren Behandlung ich ausschließlich nach EBM abrechne. Die Arbeitsaufnahme der Terminvergabestellen, an die gesetzlich Versicherte ja künftig gebunden sind, kommt für mich einem Berufsverbot gleich, da im Zuständigkeitsbereich der Terminvergabestellen Privatpraxen nicht vorgesehen sind und von einem auskömmlichen Arbeiten ausschließlich mit privat oder Beihilfeversicherten an meinem Standort nichteinmal ansatzweise zu auszgehen ist. Die OPK, in der ich mit meiner Approbation Pflichtmitglied geworden bin, hat ALLE Mitglieder zu vertreten und nicht lediglich die mit einer Kassenzulassung. Ohnehin nehmen ja privat Niedergelassene, die im Kostenerstattungsverfahren arbeiten, de facto längst an der kassenärztlichen Versorgung teil

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