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Pressereaktionen auf die Antwort der Bundesregierung zur Anfrage der Grünen zur Psychotherapeutischen Versorgung von Menschen mit psychischen ErkrankungenEine Auswahl an Pressestimmen

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. Januar 2019 veröffentlich „Nach Kritik an Gesetzesentwurf : Spahn offenbar zu Änderungen bei Psychotherapie bereit“.

Nachdem Jens Spahn massive Kritik für seine Neuregelung der Psychotherapie geerntet hat, will der Gesundheitsminister nun wohl auf Änderungswünsche eingehen. Ein neuer Vorschlag könnte bis Mitte Februar vorliegen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat offenbar seine Bereitschaft signalisiert, die umstrittene Neuregelung der Psychotherapie zu verändern. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag unter Berufung auf Teilnehmer eines Gesprächs zwischen Ärztevertretern, Psychotherapeuten, Krankenkassen und Spahn, das Ende vergangener Woche im Gesundheitsministerium stattfand.Umstritten ist ein Passus im geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz, der bestimmte „Vertragsärzte und psychologische Psychotherapeuten“ für die „Behandlungssteuerung“ von psychisch kranken Patienten verantwortlich machen sollte. Viele Therapeuten und Patienten hatten in diesem Vorschlag eine zusätzliche Hürde für Patienten gesehen.

Man habe sich nun mit Spahn verständigt, diese Regelung wieder zu streichen, berichten mehrere Teilnehmer laut Zeitung. Stattdessen solle nun ein neuer Vorschlag erarbeitet werden. Danach solle zwar die Verteilung von Therapieplätzen an psychisch kranke Menschen reformiert werden, die Therapeuten sollen dabei aber mehr Verantwortung erhalten.

„Konstruktive“ Runde
Die Zeitung zitiert den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann, der an dem Gespräch teilnahm, mit den Worten: „Zweifel an der Notwendigkeit einer Strukturierung und Steuerung in diesem komplexen Versorgungssegment bestanden nicht“. Die Runde sei „konstruktiv“ gewesen.

Vorbilder für einen neuen Vorschlag könnten laut Bergmann Modellprojekte aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sein. Im Ruhrgebiet wird beispielsweise zurzeit ein neues System der Bezugsärzte und Bezugstherapeuten getestet. Sie sollen ihre Patienten schneller an andere Ärzte und Therapeuten vermitteln, indem sie regelmäßig miteinander in einem Ärztenetzwerk kommunizieren. Eine zentrale Koordinationsstelle unterstützt die Mediziner, solche Treffen zu organisieren.

Der Alternativvorschlag könnte bis Mitte Februar vorliegen. Mehr als 200.000 Bürger hatten bis Dezember eine Petition gegen Spahns Initiative unterzeichnet, in die Verteilung von Therapieplätzen einzugreifen.

 

Die Leipziger Volkszeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 30. Januar 2019 unter dem Titel: „Spahn: Mehr Therapeuten zulassen“

 

 

Die Nachrichtenagentur dts veröffentlicht am 31. Januar 2019 mit dem Titel: „Lauterbach will bessere Bezahlung für Psychotherapeuten“

In der Debatte um Wartezeiten in der Psychotherapie fordert der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach eine höhere Bezahlung der Therapeuten. „Psychotherapeuten müssen für dringliche sowie besonders schwierige Fälle besser honoriert werden“, sagte Lauterbach dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). Um die Wartezeiten zu reduzieren, müsse es zudem eine engere Vernetzung der Therapeuten untereinander und eine Kooperation mit Ärzten und Kliniken geben.

Lauterbach forderte zudem, die Zahl der zugelassenen Therapeuten zu erhöhen. „Wir haben in bestimmten Gegenden tatsächlich zu wenige Therapeuten. Darauf müssen wir reagieren“, sagte er.

Die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wonach die Wartezeiten dort am längsten sind, wo es die meisten Therapeuten gebe, wies er zurück. „Man darf das nicht auf dieses platte Muster reduzieren“, sagte Lauterbach. Es könne zum Beispiel sein, dass die Menschen nicht dort zum Therapeuten gingen, wo sie wohnten, sondern wo sie arbeiteten. „Es lohnt also, genau hinzuschauen“, sagte er.

Den Plan von Minister Spahn, zur besseren Steuerung die Patienten in extra Voruntersuchungen zu entscheiden, welche Hilfs- und Therapieangebote geeignet sind, lehnte Lauterbach erneut strikt ab. „Neue bürokratische Hürden würden vielmehr nur eines bewirken: Patienten abschrecken. Aber wahrscheinlich ist das auch genau der Sinn, der hinter dem Vorhaben steckt“, kritisierte er. „Wir wollen keine weiteren Hürden für seelisch hoch belastete Patienten schaffen, für die es ohnehin ein schwerer Schritt ist, sich behandeln zu lassen.“

Weiter: https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11206545-gesundheit-lauterbach-bessere-bezahlung-psychotherapeuten

 

 

Die Kieler Nachrichten schreiben am 31. Januar 2019 in einem Interview mit SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach „Wir brauchen eine bessere Kooperation zwischen Ärzten, Therapeuten und Kliniken“.

Berlin: Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gesundheitsminister die Akteure im Gesundheitswesen gegen sich aufbringt. Aber diesmal war der Widerstand besonders heftig: Mit seinem Plan, die Wartezeiten in der Psychotherapie durch ein neue Steuerungsinstanz senken zu wollen, löste Jens Spahn (CDU) Proteststürme in der Branche aus. Auch der Koalitionspartner SPD ist dagegen. Der stellvertretende Fraktionschef Karl Lauterbach erläutert die Gründe.

Frage: Herr Lauterbach, Sie haben angekündigt, das Vorhaben von Gesundheitsminister Spahn für eine Steuerung der psychotherapeutischen Versorgung nicht mitzutragen. Warum?

Wir wollen keine weiteren Hürden für seelisch hoch belastete Patienten schaffen, für die es ohnehin ein schwerer Schritt ist, sich behandeln zu lassen. Gerade Menschen, die Hilfe am nötigsten brauchen, haben die größten Schwierigkeiten damit. Wir dürfen diese Menschen nicht zusätzlich benachteiligen. Den Plan, in Voruntersuchungen zu entscheiden, welche Hilfs- und Therapieangebote geeignet sind, lehnt die SPD daher strikt ab.

Aber macht es nicht Sinn, die Patienten je nach Schwere der Erkrankung zu steuern?

Ich gehe davon aus, dass jeder Psychotherapeut einen Patienten, den er nicht versorgen kann, an einen Kollegen weiter leitet. Das ist geübte Praxis, etwa auch im Rahmen von Kooperationsnetzen, die in einigen Regionen bestehen. Eine Steuerung durch Dritte kann das nicht ersetzen. Neue bürokratische Hürden würden vielmehr nur eines bewirken: Patienten abschrecken. Aber wahrscheinlich ist das auch genau der Sinn, der hinter dem Vorhaben steckt.

Die Psychotherapeuten sagen, die 2017 eingeführte Sprechstunde gewährleiste bereits, dass die Patienten nach Dringlichkeit und Schwere behandelt würden. Sehen Sie das auch so?

Nein. Die Steuerung funktioniert noch nicht ausreichend. Insofern ist die Intention von Spahn ja grundsätzlich richtig. Ziel muss aber sein, die Vernetzung der Therapeuten deutlich zu verbessern. Zudem muss es eine engere Abstimmung zwischen der medikamentösen Therapie bei Psychiatern und den Psychotherapeuten geben. Wir brauchen eine bessere Kooperation zwischen Ärzten, Therapeuten und Kliniken. Auch die Telemedizin und die elektronische Patientenakte sollten eine größere Rolle spielen. Zudem müssen die Psychotherapeuten für dringliche sowie besonders schwierige Fälle besser honoriert werden.

Die Therapeuten fordern vor allem eines: Zusätzliche Praxissitze, insbesondere in ländlichen Regionen und im Ruhgebiet. Unterstützen Sie das?

Wir haben in bestimmten Gegenden tatsächlich zu wenige Therapeuten. Darauf müssen wir reagieren. Wir sollten uns aber vorher genau anschauen, wo sie fehlen. Das Problem auf ländliche Regionen oder das Ruhrgebiet zu begrenzen, ist mir zu pauschal.

Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert, in einem Sofortprogramm die Zulassungsbeschränkungen sofort aufzuheben und mindestens 1680 neue Praxissitze zu erlauben. Ist die Zahl angemessen?

Dieser Schnellschuss ist genauso wenig sachgerecht wie der Gesetzentwurf von Spahn. Wir müssen schnell reagieren, aber Kurzschlussreaktionen sind fehl am Platz. Sie können davon ausgehen, dass wir das Problem in den kommenden Monaten lösen.

Die Kassen argumentieren, mehr Therapeuten schaffen mehr Nachfrage. Schließlich seien die Wartezeiten dort am höchsten, wo es die meisten Therapeuten gibt. Ist da etwas dran?

Minister Spahn hat sich das ja leider auch zu Eigen gemacht. Aber man darf das nicht auf dieses platte Muster reduzieren. Es kann zum Beispiel sein, dass die Menschen nicht dort zum Therapeuten gehen, wo sie wohnen, sondern wo sie arbeiten. Es lohnt also, genau hinzuschauen.

Die Psychotherapeuten wollen auch mehr Kompetenzen, etwa die Befugnis, Krankschreibungen auszustellen. Macht das aus Ihrer Sicht Sinn?

Die kurzfristige Ausweitung einzelner Aufgabengebiete kann nicht die Lösung sein. Wir brauchen vielmehr eine Erweiterung der Kompetenzen durch eine hochmoderne Ausbildung. Daher sind wir gerade dabei, einen Psychotherapie-Studiengang zu schaffen. Dafür hat die SPD lange gekämpft.

 

 

Die Hannoversche Allgemeine hatte schon im Dezember 2018 getitelt: „Wartezeiten in der Psychotherapie: Nötig ist ein intelligentes Lotsensystem“.

Gesundheitsminister Jens Spahn steht im Kreuzfeuer der Psychotherapeuten, weil er mit neuen Wegen die Wartezeiten senken will. Die Kritik ist überzogen. Betroffene brauchen schnelle Hilfe, selbst wenn dadurch Wahlmöglichkeiten eingeschränkt werden, kommentiert Timot     Szent-Ivanyi.

Berlin: In der Beschreibung des Problems sind sich alle Seiten einig: Wer ein psychisches Leiden hat – und das sind aufgrund von Arbeitsverdichtung und Leistungsdruck immer mehr Menschen –, bekommt zu spät Hilfe. Auf einen Therapieplatz müssen Betroffene im Schnitt fast ein halbes Jahr warten.

Nicht selten verschlechtert sich ihr Zustand in dieser Zeit so stark, dass eine Einweisung ins Krankenhaus nötig ist, oder sogar Schlimmeres passiert. Das ist ein inakzeptabler Zustand und eines Landes nicht würdig, das sich rühmt, weltweit eines der besten Gesundheitssysteme zu haben.

Es ist deshalb zu begrüßen, wenn Gesundheitsminister Jens Spahn versucht, eine Lösung zu finden. Doch die Verbände der Psychotherapeuten haben einen regelrechten Shitstorm dagegen entfacht. Von „Selektion“ der Patienten ist die Rede, von Bevormundung, von Diskriminierung – nur weil Spahn über neue Wege nachdenkt.

Auch in der Psychotherapie muss möglich sein, was in jeder Praxis und jeder Klinik täglich zehntausendfach passiert: eine Entscheidung darüber zu treffen, ob jemand sehr dringend Hilfe braucht oder ob noch etwas gewartet werden kann.

Kein neues Nadelöhr schaffen
Das Recht auf freie Therapeutenwahl ist ein hohes Gut. Auch die Kompetenz der Therapeuten will niemand in Frage stellen. Aber was nützt beides einem Menschen, der nirgendwo einen Termin bekommt, der nicht mehr ein und aus weiß, der häufig gar nicht versteht, was eigentlich mit ihm passiert. Er braucht nur eines: möglichst schnell jemanden, der sich um ihn kümmert.

Natürlich wäre es absurd, wenn künftig bei jeder psychotherapeutischen Behandlung eine Voruntersuchung nötig wäre, die Betroffene in einer seelischen Ausnahmesituation zusätzlich belasten und ein neues Nadelöhr schaffen würde. Nötig ist ein intelligentes Lotsensystem, um die knappen Behandlungskapazitäten sinnvoll ausnutzen. Denn klar ist auch: So nötig mehr Therapieplätze sind, die Erfahrung sagt, dass sie am Ende nie reichen werden.

 

 

Der Ärztenachrichtendienst schreibt am 31. Januar 2019 in : „Gesteuerte Versorgung, Lauterbach hält nichts von Spahns Psychotherapie-Plänen“.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält nichts von dem Plan, per Terminservice-Gesetz eine sogenannte gestufte und gesteuerte psychotherapeutische Versorgung einzuführen. Man dürfe psychisch kranke Menschen nicht noch zusätzlich benachteiligen.

„Wir wollen keine weiteren Hürden für seelisch hoch belastete Patienten schaffen, für die es ohnehin ein schwerere Schritt ist, sich behandeln zu lassen“, sagte Lauterbach im Gespräch mit der „Berliner Zeitung“ (Donnerstag). Die SPD lehne es daher ab, in Voruntersuchungen zu entscheiden, welche Therapie-Angebote für die Patienten in Frage kämen.

Es sei „geübte Praxis“, dass ein Psychotherapeut einen Patienten, den er nicht behandeln könne, an einen Kollegen weiterleite. „Eine Steuerung durch Dritte kann das nicht ersetzen“, sagte Lauterbach. Dadurch entstehe nur noch mehr Bürokratie, die Patienten abschrecke. „Aber wahrscheinlich ist das auch genau der Sinn, der hinter dem Vorhaben steckt“, vermutet der SPD-Politiker.

Die Forderung der Bundes-Psychotherapeutenkammer nach mindestens 1.680 neuen Versorgungssitzen für Psychotherapeuten hält Lauterbach ebenfalls nicht für angemessen. „Dieser Schnellschuss ist genauso wenig sachgerecht wie der Gesetzentwurf von Spahn. Angesichts eines in einigen Regionen herrschenden Psychotherapeuten-Mangels müsse die Regierung zwar „schnell reagieren, aber Kurzschlussreaktionen sind fehl am Platz“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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