Stuhlkreis

Gruppentherapie bei Depression: Fragen an Dr. Gregor Peikert von der Ostdeutschen PsychotherapeutenkammerAktueller Newsletter der Deutschen Depressionshilfe nimmt sich eines wichtigen Themas an

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ist eine Gruppentherapie?

Dr. Peikert: Wir sprechen von einer Gruppentherapie, wenn in einer Gruppe von 4 bis maximal 10 Teilnehmern ein Psychotherapieverfahren angewandt wird. Dieses Verfahren kann die Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie, Psychoanalyse oder systemische Therapie sein. Diese wird durch einen anerkannten Therapeuten in einer Gruppe durchgeführt.

Für wen ist Gruppentherapie geeignet?

Dr. Peikert: Oft richten sich die Gruppen an Menschen mit ähnlichen Erkrankungen wie z.B. Depression oder soziale Ängste. In Phasen sehr schwerer Depression kann die Gruppentherapie Mühe machen, weil man sich nicht so lange konzentrieren kann. Sie ist also vor allem in Phasen geeignet, in denen sich die Depression schon bessert. Gruppentherapie ist auch nachgewiesen wirksam in der Rückfallvorbeugung vor erneuten Depressionen.

Für wen ist es weniger geeignet?

Dr. Peikert: Gruppentherapie setzt immer voraus, dass man sich sprachlich gut mit anderen verständigen kann. Schwierig ist sie z.B., wenn man die Sprache, in der die Gruppe stattfindet, nicht gut beherrscht oder man starke Probleme mit dem Hören hat. Wenn Patienten sehr starke Ängste haben, vor anderen Menschen zu sprechen, dann ist eine Gruppentherapie mit unter auch nicht geeignet.

Was sind Vorteile gegenüber einer Einzeltherapie?

Dr. Peikert: Man kann sich in einer Gruppe sehr gut aufgehoben fühlen, ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Die Teilnehmer fühlen sich emotional gestützt. In der Einzeltherapie hat man diese Unterstützung nur vom Therapeuten. In der Gruppentherapie spürt man, dass man von einer ganzen Gruppe gehalten wird. Patienten können außerdem verschiedene Erlebensweisen sehen. Die eigenen Gedanken und Gefühle können mit denen von anderen verglichen werden und dadurch bekommen die Patienten einen neuen Blickwinkel. Und die Teilnehmer können praktische Dinge üben wie z.B. vor anderen zu sprechen oder ihnen die Meinung zu sagen.

Gibt es auch Nachteile?

Dr. Peikert: Die Teilnehmer müssen die Gruppe über eine bestimmte Zeit ganz regelmäßig besuchen, damit die Gruppe funktioniert. Es ist manchmal schwierig für Menschen, die beruflich oder familiär sehr stark eingebunden sind, immer am selben Wochentag zu einer bestimmten Zeit die Gruppensitzungen zu besuchen.

Wie finde ich so eine Gruppentherapie?

Dr. Peikert: Die kassenärztlichen Vereinigungen bieten auf ihren Internetseiten Suchfunktionen für Psychotherapeuten an. Dort kann man schauen, welche Therapeuten Gruppentherapie anbieten. Ansonsten können Patienten mit einem Psychotherapeuten oder Arzt in der Nähe sprechen und nachfragen, ob dieser Angebote in der Umgebung kennt. Im Moment gibt es noch wenige ambulante Gruppentherapien in psychotherapeutischen Praxen. Viele Gruppen werden bisher in Kliniken durchgeführt. Aber wir bemühen uns, das Angebot an Gruppentherapien zu verbessern.


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